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Auerhaus • Bov Bjerg

Frieder, Vera, Cäcilia, Harry, Pauline und Herr Höppner laden ein: Willkommen im Auerhaus. (Mit Gewinnspiel.)

Die letzten paar Monate vor dem Abi, damals, inmitten der Achtziger. Die Köpfe voller Träume. Und Überlegungen, wie man bloß dem Wehrdienst entkommen kann. Das ganz normale Leben, bis einer von ihnen genau das nicht mehr will. Frieder versucht sich umzubringen. Um das in Zukunft zu verhindern, zieht er in das leerstehende Haus seines Großvaters, und nimmt Vera, Cäcilia und Herrn Höppner mit sich. Eine Schüler-WG mitten am Land, mitten in der württembergischen Provinz. Man ahnt schon fast, dass das kein gutes Ende nehmen kann.

Aber sie machen sich gut. Klauen das nötige Essen zusammen, wenn sie keine Lust oder kein Geld haben, es sich zu kaufen. Einfach um der Aufregung wegen. Sie nehmen neue Menschen auf, Harry, der Drogen vercheckt oder Pauline, die Brandstifterin, die Frieder in der Psychiatrie kennengelernt hat. Alles dreht sich ums Leben, ums Abi, um Spaß und um Angst. Angst um Frieder, Angst um die Zukunft und auch ein bisschen Angst um die Liebe und das gottverdammte Leben.

Fotografin: Milena Schlösser

Bov Bjerg

geboren 1965, lebt in Berlin
Website zum Buch: auerhaus.de

Weiteres Werk:

  • Deadline

Auf dieses Buch wurde ich aufgrund einer Anfrage des Verlages aufmerksam gemacht. Der kurze Text zum Buch hat mich erstmal nicht so gefesselt, aber als ich dann das Rezensionsexemplar auf meinem eBook-Reader hatte, begann eine wunderbare Reise: Bov Bjerg entführt uns in eine Geschichte voller Melancholie. Was ist es, das Frieder so sehr am Leben zweifeln lässt? Wie passen die vier Freunde eigentlich wirklich zusammen? Ist die Liebe nun wie ein Kuchen oder nicht? Wie wäre es wohl, wenn meine Freunde und ich kurz vor dem Schulabschluss in eine solche Schüler-WG gezogen wären? Wie kann man am besten klauen? Warum, verdammt nochmal, gibt es eigentlich den Wehrdienst? So melancholisch die ganze Geschichte ist, so lustig ist sie aber mitunter auch. Verrückte Dinge tragen sich zu im Auerhaus und es ist unglaublich, wie viel die vier bis sechs Protagonisten so erleben.

So schwere Themen wie ein Suizidversuch, wie unerfüllte Liebe, wie Psychiatrie und Homosexualität, sie alle schweben im Auerhaus umher, sind greifbar und real, und zeigen, wie verdammt uneinfach das Heranwachsen damals, in den Achtzigeren war und wie verdammt schwierig es auch heute noch ist. Es ist kein Jugendroman, maximal ein Coming-of-Age-Roman, aber vielmehr, wie Der Spiegel schreibt, ein All-Age-Roman. Ich mit meinen 27 Jahren fühle mich dem vornamenlosen Erzähler so nah, mit all seinen Ängsten, Sorgen und Gedanken. Und auch mit seinen Gedankenexperimenten, seinen verqueren Träumen und allem. Da ist dem Herrn Bjerg wirklich eine Meisterleistung gelungen.

Strichpunkte waren das Sclhimmste. Wenn sich einer nicht entscheiden konnte, ob er ein Komma hinschreiben sollte oder einen Punkt. Nicht hopp oder topp, sondern Strichpunkt. So ein Strichpunkt, das war quasi ein Quasi in einem einzigen Zeichen.

Auerhaus heißt Auerhaus, weil die vier Schüler dauernd „Our House“ von Madness hörten, und die Bewohner im Dorf nicht so gut Englisch können. Eine schöne Erklärung. Und Auerhaus ist eine Schüler-WG, wie man sie bisher nicht kannte, voller Leben, voller Spaß, Traurigkeit und zahlreicher Gedanken. Bov Bjerg hat eine fesselnde Geschichte erzählt, die mich mitgerissen hat und die mich auch noch ein paar Tage danach nicht loslässt. So manches Fragment lässt er unbeantwortet, manches erklärt er in harten Worten. Auerhaus ist vielleicht nicht die leichte Strandlektüre, aber ich lege das Buch wirklich jeden ans Herz, der auch einmal jung war.

Bov Bjerg

Auerhaus

Blumenbar / Aufbau Verlag

Preis: 18 Euro (Hardcover), 13,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)

240 Seiten

 

 

Transparenz: Ich bedanke mich beim Aufbau Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

Das Gewinnspiel

Der Aufbau Verlag hat mir freundlicherweise zusätzlich zu meinem Rezensionsexemplar-eBook ein weiteres Exemplar kostenlos zugesendet, welches ich nur zu gerne hier verlose. Um an der Verlosung teilzunehmen, musst du mir nur eine Frage beantworten:

Was ist in diesem Jahr deine bevorzugte Strandlektüre?

Einfach einen Kommentar hier hinterlassen – aus allen Kommentierenden ziehe ich am 2. August einen Gewinner! Also – verratet mir eure sommerlichen Buchgeheimtipps, ich bin gespannt!

Veröffentlicht in Allgemein

10 Kommentare

  1. Kay

    „Finale Berlin“ von Heinz Rein (Schöffling & Co.) muß ich mir noch unbedingt reinziehen… ein dicker Wälzer, der vom Thema her GANZ UND GAR nicht zum Sommer paßt, obwohl die Handlung Sommer 1945 stattfindet. Hauptsache: Ein vollkommen packendes Buch im Liegestuhl am Strand (Land, Fluss!)! Bestenfalls dicht gefolgt von „Auerhaus“? 🙂 LG!

  2. Anna

    Wolfgang Herrndorfs „Tschick“-wohl zum millionsten Mal,da ich nicht genug davon bekommen kann,wie Graf Maik von Klingenberg und Graf Lada sich über die tatsächliche Existenz der Wallachei streiten; Nöstlingers „Gretchen Sackmeier“,weil einen abgesehen von Bier,Schnaps und der drolligen Dummheit der HC Strache-Seite nichts besser zu erheitern vermag als seine Lieblings-Jugendlektüre; und zu guter letzt Helene Hegemanns Plagiatstriumph „Axolotl Roadkill“,damit ich ja nicht vergesse,wieso mich dieses Buch in jeder Faser meines Körpers zutiefst abstösst.Und weil heute ein Axolotl-ähnliches Wesen in der Zeitung war.

  3. Stefan

    Ich habe mir für diesen Sommer Ken Follets „Kinder der Freiheit“ vorgenommen. Hoffe, dass das Buch ähnlich gut ist, wie seine Vorgänger.

  4. Sand // Wolfgang Herrndorf
    Arbeit und Struktur // Wolfgang Herrndorf
    Briefe an Milena // Franz Kafka
    Briefe an Felice // Franz Kafka

    Leider keine Strandlektüre, aber Zugfahrt-, Straßenbahn-, U-Bahnlektüre.

  5. Bettina

    Sebastian Fitzek: Passagier 23
    Jo Nesbø: Sohn

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