Ohne Brille kann ich rechts und links nicht unterscheiden: Geschichten • Bov Bjerg

Nach „Auerhaus“ erzählt Bov Bjerg nun 26 kurze Geschichten. Und auch das kann er ausgezeichnet.

Sechsundzwanzig Geschichten von Bov Bjerg finden sich in diesem eBook, welches der Blumenbar Verlag nach dem Erfolg von Auerhaus nun nachgeschickt hat. Hinter den oft kurzen Titeln wie z.B. „Schinkennudeln“ findet man lustige, unterhaltsame und manchmal auch nachdenklich stimmende Erzählungen, meist aus der Kindheit oder Jugend des Protagonisten. Ob es sich dabei um Bov Bjerg selbst handelt oder nicht, kann man stets nur erahnen.

Manche Geschichten sind auch nur einen Absatz lang. Und doch kommt Bjerg dabei nur selten nicht auf den Punkt. Und in dieser wunderbaren Ansammlung verrückter Texte stechen so manche direkt heraus: wie z.B. der Zweiteiler „Die Modernisierung meiner Mutter“, das etwas verstörende „Feilchenfeldt, geb. Allgaier“ oder die – bei einer günstigen Sternenlage – sehr unterhaltsame Erzählung „Beschissene Jobs, Folge 24: Gott“.

Fotografin: Milena Schlösser

Bov Bjerg

geboren 1965, lebt in Berlin

Weiteres Werk:

Für den kleinen literarischen Hunger zwischendurch ist „Ohne Brille kann ich rechts und links nicht unterscheiden“ perfekt: Bov Bjerg hat es drauf, mit der Sprache zu spielen, Metaphern aufzubauen und erfolgreich zu zerstören sowie den Leser in jede seiner Geschichten hineinzuziehen. Und nach dieser Lektüre wünsche ich mir fast, dass mehr Verlage sich dazu entschließen, nach einem erfolgreichen Buch eines Autors eine solche Kurzgeschichtensammlung als eBook hinterherzuschicken. Weil gerade solche kurzen Geschichten nochmal zeigen, was dieser Autor alles kann. Aber ja, natürlich schlagen nicht alle Geschichten ein … aber mehrfach stand ich in der Straßenbahn und musste herzhaft schmunzeln. Das ist doch wunderbar.

Ich schaute aus dem Fenster und sah die Bilder deutscher Soldaten, die mit der Eisenbahn zur Front des ersten Weltkriegs fuhren. Dumme junge Männer, mordgierig und sterbefroh. Sie beugten sich grinsend aus den Waggons und Winkten. Solche Bilder waren heute nicht mehr möglich. ICE-Fenster ließen sich nicht öffnen.

Bov Bjerg und der Blumenbar Verlag tat gut daran, diese Kurzgeschichtensammlung relativ zeitnah zur Veröffentlichung des Auerhaus-Werkes zu veröffentlichen. Ich habe mich sehr gut unterhalten und kann es jedem empfehlen, der auch mal über wunderbare Dummheiten oder grandiose Beobachtungen lachen möchte.

Bov Bjerg

Ohne Brille kann ich rechts und links nicht unterscheiden: Geschichten

Blumenbar / Aufbau Verlag

Preis: 4,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)

125 Seiten

 

 

Transparenz: Ich bedanke mich beim Aufbau Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: