Schatten.

Die Lichter der Nacht
zeichnen den Straßen
den Weg.

Ein Mann wankt
traurig, Schritt für Schritt,
hinab.

Manchmal bleibt er
für kurze Zeit stehen und
und schaut.

Sich um, sich hinterher
schaut seinem Schatten
ins Gesicht.

Und dann wagt er wieder
ein paar Schritte,
immer in Angst.

Dass dies das Ende sein kann,
das Ende von ihnen,
das Ende der Nacht.

Sie geht nicht hier neben ihm
geht hier nicht mit
geht ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Die Lichter der Nacht
zeigen nur mehr einen Schatten
zeigen auf ihn.

Zeigen, dass da etwas fehlt
und vielleicht wartet er nur
bleibt stehen und wartet.

Bis sie endlich ausgehen,
die Lichter der Nacht
ein für alle mal.

Dass er endlich verschwindet
sein Schatten und die
Erinnerung an Sie.

Jetzt wankt er wieder
einsam und still.
Und der Schatten mit ihm.

Paradies. Ein Abriss

Wir waren gefangen in unserem selbsterbauten Paradies, blieben gefangen, in dieser wunderbaren Vorstellung von uns, die wir auf Buchrücken schreiben wollten, aber es nie wirklich taten. Wir waren die einsamen Insassen in unserem Paradies, waren Adam und Eva in unserem Gefängnis.

Dabei waren wir doch wie besessen, unser eigenes kleines Paradies hier zu bauen, unseren Mikrokosmos einzurichten mit all den Erlebnissen und Gedankenstücken, mit unseren zarten Küssen und den Nächten zu zweit. Wir fühlten uns sicher und sicherlich war es zuviel, das wussten wir natürlich. Aber es war doch immer noch unser Zuviel.

„Lass uns die Außenwelt in die Luft jagen“, habe ich gesagt, „weil nichts so schön sein könne wie unser Paradies“. Und das machten wir dann auch. Haben Mauern eingerissen und Menschen vertrieben, haben Brücken zerbombt und dabei lachend im Paradies den zahlreichen Explosionen gelauscht. Was waren wir nur dumm … aber wahrscheinlich waren wir wohl einfach nur verliebt. Und wir wissen es beide, das ist wohl die schrecklichste Form der Dummheit.

Es dauerte nicht lange und unser Paradies begann sein Aussehen zu verändern. Wir waren anfangs noch überrascht, dabei waren es wir doch, ihm die Unschuld raubten. Wir haben es uns zu eigen gemacht und haben es Stück für Stück auch mit Konflikten gefüllt. Als müssten wir nicht Acht geben. Als würden wir das alles später wieder renovieren können, mit nur ein paar Handgriffen und etwas zusätzlicher Zeit. In Wahrheit haben wir nie wieder eine Spachtel in die Hand genommen. Und nicht mal ansatzweise versucht, die Erde, in die sich bereits unser Ende verwurzelt hat, etwas aufzulockern. Das Tor zu unserem Paradies haben wir selber verschlossen und keiner von uns weiß, wohin er den Schüssel gegeben hat.

Nur einen Sommer lang hatten wir nur uns, hatten nur uns und dieses Paradies, hatten unsere Vorstellungen voneinander und unsere Erwartungen. Hatten Träume und Obsessionen, Und wir hatten definitiv keine Ahnung, wie brutal das alles werden würde. Wer denkt denn schon an das Ende in diesem Paradies? An das Ende und die Sintflut, an das Grollen des Donners und die zerstörende Kraft des Nichts.

Es klang alles so wundervoll. Zumindest für unsere Ohren: Wir haben die Gesellschaft verachtet, haben den Alltag gehasst, haben den Verpflichtungen abgeschworen und uns dabei Immer mehr verloren. Ein Leben ohne Alltag, bringt die dunkelsten Nächte hervor, ein Leben ohne Verpflichtungen ist der anarchische Versuch, irgendwann Nichts zu sein.

„Lass es bitte nicht einfach so verschwinden“, sagst du, als bereits der Großteil von uns längst nicht mehr sichtbar war. Und am Ende haben wir schließlich erkannt, dass es keine Trennung von Gut und Böse geben kann, nicht bei uns und nirgendwo anders. Dass all das Gute, das wir aneinander so liebten, in vielfach stärkerer Form als „das Böse“ in uns schlummert. Wir haben unser Gefängnis Paradies genannt und dachten wir wären klug, dabei liefen wir in unseren Zellen nur auf und ab, um der Utopie Leben einzuhauchen.

„Es tut das erste Mal weh, sagst du, aber ich weiß, dass das erst der Anfang ist und der Schmerz wohl nie wieder verschwinden wird. Da stehen wir nun und ich halte deine Hand. Wir schauen den Trümmern beim Einstürzen zu, als wäre es das normalste auf der Welt. Als wäre das hier nicht unser Paradies, das hier in Flammen aufgeht und zugleich dem Erdboden gleichgemacht wird. Dabei war ich es, der die Bagger bestellt bestellt hat. Nichts soll davon übrig bleiben, nichts soll mehr sein. Wir müssen ein Zeichen setzen. Um die anderen zu warnen. Um sie zu warnen, dass Paradiese sich oft als Gefängnisse entpuppen und die große Liebe meistens nicht mehr ist als ein kleiner Sommerflirt.

Dieser Text entstand am 25. April bei der Schreibgruppe „Die Dienstagsschreiber/innen“ im Reading Room.

Keine Briefe mehr.

Wir schreiben uns
keine Briefe mehr
weil uns die Worte
fehlen, mit denen
wir uns gegenseitig
die Seele streichen,
die Worte, mit
denen wir uns
regelmäßig
zugedeckt haben
und die Worte,
die wir uns immer
an den Kopf geworfen
haben.

Wir schreiben uns
keine Briefe mehr
vielleicht sollten wir
jetzt auch aufhören,
immer noch
an uns zu denken.

Ich trink auf dich.

Ich trink auf dich.

Schon lange habe ich
dein Lachen nicht mehr gehört
Hab schon lange nicht mehr
deinen Witzen gelauscht
Schon lange bist du jetzt schon
weg und viel, viel zu lange
bin ich immer noch hier.

Ich trink auf dich.

Du würdest lauthals lachen
das würdest du, des Irrsinns wegen
du würdest wohl nicht mehr
aufhören können bei so viel Irrsinn
und das fehlt mir. Dieses
befreiende, traurige Lachen,
dein Lachen.

Ich trink auf dich.

Du hättest die Welt ausgelacht,
nur um sie ein kleines bisschen
erträglicher zu machen und um
selber nicht daran zugrunde zu gehen.
Doch genau das bist du.
Hast zuviel gelacht und zu viel
ertragen.

Ich trink auf dich.

Wie immer pflücke ich
das Unkraut aus den kleinen Steinen
die hier rund um die Gräber liegen
auf diesem Friedhof, auf dem ich
sitze mit diesem Bier und
dieser Sehnsucht noch einmal
dein Lachen zu hören.
Doch da ist nichts.

Ich trink auf dich.

Nicht mein Ernst.

Ich habe es gesagt,
habe gesagt,
dass ich dich liebe
und du meinstest nur
das kann man doch
nicht so einfach sagen
sagtest du und meintest
dass das doch nicht
mein Ernst sein kann
weil man sich doch
zum Lieben ja erst
einmal gehasst haben
muss und davon
waren wir ja leider
noch viel zu weit weg
davon und ich
solle dir nicht böse sein
hast du gesagt
aber du könntest
nicht erwidern
könntest mich einfach
nicht belügen und
deshalb könntest du
nur „Ich mag dich“ sagen
ob mir das denn auch reiche
und schön langsam
beginne ich
dich ein kleines bisschen
zu hassen
damit zumindest
auf meiner Seite nun
nichts mehr im Weg
steht für uns und
dass du diesen einen
Satz, der nichts sagt
und doch alles ist
irgendwann auch einmal
sagst und vielleicht
auch fühlst.