Franzi aka HaifischInAspik • Wortheldin Juli 2015

Ich hole sie vor den Vorhang: Wer sind diese Worthelden, die mich mit ihren literarischen Texten auf ihren Blogs verzaubern? Diesmal hat Franzi meine zehn Wortheld-Fragen beantwortet.

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Wer bist du und wenn ja, warum?

Ich bin laut, manchmal so laut das ich mich selbst gar nicht mehr versteh und ich jemanden brauche der mich dazu bringt ganz leise zu sein. Meistens ein bisschen zu aufgedreht und hab schon lang aufgehört über den Tellerrand gucken zu wollen – ich schmetter das Ding einfach gleich voller Inbrunst auf den Boden und blicke zufrieden über die neu gewonnene Sicht. Ein paar Blümchen hier und ein wenig Optimismus da, gespickt mit geheim gehaltener Naivität.

Ich hasse Scherben und trotzdem sammel ich sie wieder auf und setze sie zu etwas Neuem zusammen. Mit viel Sekundenkleber und Kupferspray. Hält besser und sieht schöner aus. Narben formen.

Ich bin immer am an-mir-selbst-zweifeln, so viel, dass die Selbstzweifel gar schon Generellzweifel sind. Ich komm zwar schnell wieder auf den Teppich nach den Moment, in den sich Herz und Hirn einmal auf den Kopf stellen und Samba tanzen, ziehe in mir aber gleich wieder unter den Füßen weg und liebe das Gefühl von hartem festem Parkett unter mir.

Ich bin standhaft, man kann mich nicht umwerfen. Ich brauche Menschen um mich herum die mich ankern, daheim-halten und mir einen festen Boden unter den Füßen geben.

Ganz kurz gesagt: ich bin von allem ein bisschen zu viel und trotzdem irgendwie zu wenig. Ich bin 24, weiß nur so ungefähr was ich mir vom Leben erwarte – aber das macht nichts, ich hab ja noch n bisschen Zeit.

Und wie viel davon steckt in deinen Texten?

Um ehrlich zu sein, vielleicht ein wenig zu viel. Herzmenschen wissen sofort das etwas nicht stimmt wenn ich einen gewissen Satz schreibe, meinen Kopf einmal kräftig durschüttle und die Gedanken zu Papier – bzw auf die Tastatur – bringe. Meine Texte sind zu 100 % Franzi, zu 100 % ehrlich und zu 100 % echt. Meistens sogar mehr als ich es sonst bin.

Wenn die Finger einmal angefangen haben über die Tastatur zu fliegen, fliegen sie so schnell und finden mit einer Leichtigkeit die richtigen Worte um genau das auszudrücken was man nie aussprechen könnte. Und plötzlich fliegt man selbst mit dieser kleinen Leichtigkeit dahin und fühlt sich ein kleines bisschen freier.

Seit wann und warum schreibst du eigentlich?

Ich hab als Kind schon geschrieben. Romane, Krimis, Thriller, Romanzen, Teeniegedöns (ich wollte früher unbedingt Autorin werden, für diese bunten Teeniebücher mit Softcover und Glitzerfitzer auf dem Titel) hab aber alles mittendrin wieder aufgegeben. Wenn sich plötzlich die Gedanken nicht mehr sortieren können und alles ganz durcheinander kommt, wenn Romeo urplötzlich der kleine Bruder ist der eigentlich gerade noch unter Julias Fenster stand und jetzt aber 60 ist und mit ner Waffe in der Hand… Das ging schnell vorbei.

Geblieben sind Gedanken die ich nicht ausspreche. Ich hatte früher nicht das Gefühl wirklich, wirklich ernst genommen zu werden. Aufzuschreiben was du fühlst, was du wirklich tief, tief, tief in dir empfindest, egal wie absurd es sein mag, wie paradox, wie sehr im-Kreis-drehend war wie Balsam für die Seele. Mit Schokoeis und heißen Himbeeren. Schoko, nicht Vanille. Schoko mag ich nämlich viel lieber.

Ich schreibe wieder seit ich gestürzt und gefallen bin. Zu tief in einen Strudel aus zu viel (falscher) Emotionen, in einen Sog aus Zweifeln, verlorener Liebe und einer ständigen Achterbahnfahrt – uuuuund es geht los, bitte schnallen Sie sich an jetzt geht die Party ab.

Es mag keine Lösung sein, aber schreiben hilft. Wenn du da irgendwo sitzt, irgendwo in deinem kleinen Loch und die Traurigkeit dich nicht mehr los lässt, wenn sie dich umklammert und festhält und genau merkt dass du sie eigentlich gar nicht haben willst.

Was macht dich sprachlos?

Die kleinen Augenblicke. Ein Lächeln, ein Zwinkern. Menschen. Menschen die dich mit einer solchen Aufrichtigkeit schätzen und lieben dass du dich fragst in welchem Universum du gelandet bist, dass es so etwas noch gibt und du das erleben darfst.
Das Gefühl von frei-sein, von geliebt- und verehrt-sein. Das Gefühl von echten Freunden und unsagbarer Zuneigung. Das Leben, das Leben das dich in so vielen Facetten überwältigt und glücklich macht ohne das du etwas tun musst. Es wirft sich dir einfach so in den Weg und schreit „Hier bin ich“ – es anzunehmen, ohne wenn und aber und dann genüsslich mit dem Leben und nem Bier in der Hand hinfort zu spazieren.

Nein im Ernst, wenn Leben und Liebe perfekt zusammenspielen, sich ergänzen, harmonisieren und zum Tanz auffordern – wer könnte darauf noch was sagen?

Wo befindet sich dein kreativster Ort?

Also ich könnte jetzt was total kreatives daherfaseln. Wenn ich nachts durch Narnia auf einem weißen Einhorn gen Himmel reite, dabei eigentlich nur gediegen auf dem Sofa lümmle oder auf dem Balkon meine Pflänzchen gieße. Aber die Wahrheit ist: ich hab keinen. Mein kreativster Ort ist da wo ich mich wohlfühle, wo ich den Gedanken freien Lauf lassen kann und sie nicht wieder einfangen muss. Das ist manchmal das Klo, das Radl, der Supermarkt oder vielleicht auch einfach nur eine U-Bahn-Station. Das ist das nächtliche-Nachhause-gehen, das Geräusch von Liebe und lachenden Menschen.

Wer oder was inspiriert dich?

Meine Herzmenschen. Situationen die einem das Leben vor die Füße wirft. Musik, Musik, Musik.

Wie viele Entwürfe verstecken sich in deinem Blog?

Moment… Ich glaube insgesamt sind es so um die 25. Angefangene Texte, die in den schwachsten Momenten geschrieben wurden, die es aber nie zur vollendung oder zum Post geschafft haben. Kleine, heranreifende Textfetzen die sich wünschen auch mal ganz groß zu sein. Vielleicht sollten sie dieses Schicksal endlich mal erfahren…

Bist du kreativer, wenn du glücklich oder wenn du traurig bist?

Eher wenn ich trauriger bin. Wenn sich die Traurigkeit in deine Glieder schleicht und dich gefangen nimmt. Es fühlt sich ganz anders an zu schreiben wenn man traurig ist. Man fühlt sich danach ein kleines bisschen leichter, nicht mehr wie ein schwerer großer Klotz der nicht weiß wo er hingehört.

Was ist dein ganz persönlicher, selbst geschriebener Herzenstext?

Von Mauern und Herzen.

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