Posttraumschmerz.

In einer der vergangenen Nächte träumte ich, dass mein Neffe und mein Bruder wieder am Leben wären. Es war ein komischer Traum. Die beiden waren keine Babys oder Kinder mehr, wie damals, als sie starben, nein. Sie waren in der Zeit, in der sie tot waren, einfach weitergewachsen. Mein Bruder hat vergangenen September seinen 32. Geburtstag gefeiert, mein Neffe feiert um Juni seinen elften. Das Komische daran war, dass, obwohl allen Menschen im Traum bewusst war, dass die beiden ja nun doch schon einige Zeit tot gewesen waren, niemand ein großes Aufsehen darum machte. Außer ich. Ich fühlte mich glücklich. Überglücklich. Ein Gefühl, dass ich irgendwie schon lange nicht mehr wirklich gespürt habe, und wahrscheinlich auch nie spüren konnte, weil mein Bruder schon tot war, als ich geboren wurde. Plötzlich waren sie beide da, waren an meiner Seite, waren Teil meines Lebens hier auf der Erde. Es war ein unglaubliches Gefühl, jetzt endlich diesen älteren Bruder zu haben, den coolen mit den schwarzen Haaren, schlank und sportlich. Der, der einen aufzieht, auf den man sich aber immer verlassen kann. Und endlich wieder meinen Neffen in die Arme zu schließen, fast zehn Jahre, nachdem ich mich am Sarg von ihm verabschiedet habe. Jeder um mich herum freute sich, dass sie da waren, aber niemand, wirklich niemand fand es so unfassbar wie ich.

Mitten in der Nacht bin ich dann aufgewacht und habe auf meinem Nachtkästchen nach meinem Handy gesucht. Ich wollte meine Mama anrufen, wollte ihr davon erzählen, wollte es ihr sagen, wollte sie auch glücklich machen. Und während ich die Uhrzeit auf meinem Handy kontrollierte (viel zu früh), kapierte ich auch, dass ich es ihr nicht zu erzählen brauche. Denn wenn es wahr wäre, würde sie es schon wissen. Und dann würde sich bereits alles anders anfühlen.

Aber das tut es nicht.

In diesen Momenten danach lag ich im Bett and it all comes crashing down. Einerseits der Schmerz, andererseits der Wunsch, noch möglichst viel des Traums in Erinnerung zu behalten. Vor allem, wie die beiden nun aussehen, wo ich doch den einen bisher noch nie, den anderen nur als Kind gesehen hatte. Und irgendwann zerfloss alles, die Bilder, die Erinnerung, die Hoffnung, dass es doch kein Traum war und der Schmerz nahm Überhand.

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