Wir werden glücklich sein. [Ein Liebesbrief]

Hallo.

Ich habe aufgegeben, die richtigen Worte für den passenden Anfang zu finden. Wenn du das lesen wirst, werden wahrscheinlich bereits Jahre vergangen sein. Aber ich wollte es dir heute schon schreiben. Doch, so wie es scheint, gibt es in meiner Situation wohl keine richtigen Worte.

Und, ach ja, übrigens:
Das hier ist ein Liebesbrief.

Wir kennen uns noch nicht, aber ich weiß, dass es dich gibt. Wir sind uns vielleicht sogar schon einmal begegnet, aber haben offenbar vorerst keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht leben wir auch nur die ganze Zeit aneinander vorbei, bis wir uns dann gegenüberstehen und anlächeln. Bis du mich ansprichst, oder bis ich selbst den Mut dazu finde, dich anzusprechen. Wir werden uns schon noch kennenlernen, da bin ich mir sicher. Wie traurig wäre es denn bitteschön, wenn es dich nicht gäbe? Um wie viel mehr Weltschmerz würde sich meine Welt vergrößern, wenn ich nicht einmal mehr die Hoffnung auf dich hätte? Ich weiß es nicht und will es mir auch gar nicht ausmalen.

Wir werden in einem Kaffeehaus sitzen, wir zwei unter vielen. Du trinkst wahrscheinlich eine Heiße Schokolade und ich einen Melange. Ich werde wieder einmal erzählen, dass ich nicht verstehe, warum Kakao in Kaffeehäusern plötzlich Heiße Schokolade heißt und du wirst lachen, weil du dir selber schon oft diese Frage gestellt hast, zumindest hoffe ich das. Mit Bedacht wirst du dann mit dem Löffel das Schlagobers aus deiner Tasse essen und mich dabei ansehen und wirst erzählen, von deinem Leben und deiner Arbeit und deinem Studium. Ich werde dir gegenübersitzen, werde dir zuhören, mit vollster Konzentration. Im gleichen Augenblick aber wird mein Gehirn schon anfangen, den restlichen Abend zu planen, und wir werden noch ein Lokal weiterziehen, so lange warten, bis keine U-Bahn mehr fährt und uns dann beim Taxistand verabschieden.

Und ich werde mir auf der Heimfahrt die ganze Zeit denken: Das war der Moment. Spätestens da hätte ich dich küssen sollen, aber was solls, ich habe es mal wieder nicht getan. Du wirst dich dann bei mir melden, am Morgen danach schon. Wirst mich fragen, wie ich geschlafen habe und ich werde dich anlügen und behaupten, dass ich gerade erst aus tiefem Schlaf erwacht sei. Kein Auge habe ich zugetan, nur wegen dir und du wirst fragen, ob wir uns wiedersehen.

Das werden wir. Natürlich werden wir das. Du wirst es doch auch spüren, dass da etwas ist, oder etwa nicht? Wir werden uns in einem Park treffen, wir zwei unter vielen. Diesmal wirst du zuhören, während ich dir erzälhe, von meinem Leben und meiner Arbeit und meinem Studium. Du wirst dabei deinen Kopf in meinen Schoß legen und ich werde dir durch deine Haare streichen, fast so, als wäre das ganz normal. Und wenn wir dann weitergehen, wir beide, Hand in Hand, wirst du kurz stehen bleiben und mich zu dir zurückziehen und dann wirst du mich küssen, aber ich möchte dir noch zuvorkommen und so werden unsere Köpfe ungestüm zusammenfinden. Wir werden lachen, bis wir es noch einmal versuchen, immer wieder gegen das Lachen ankämpfend, bis es schließlich gelingt.

Wir werden uns erneut verabschieden. Mit einem Kuss, der zuletzt noch der große Wunsch geblieben war, und mit dem fragenden Gedanken, was da noch alles kommen mag. Wir werden uns erst in ein paar Tagen treffen, Verpflichtungen, du weißt schon, aber wo auch immer du sein wirst, mich wird man an meinem breiten Lächeln erkennen. Und dann wird es Abend werden, ich werde schon Netflix angemacht haben, alleine auf der Couch, bis es läutet und dann wirst du vor meine Tür stehen. Mit einer Pizza in der Hand und einem Lächeln im Gesicht. Und wir werden unseren ersten Abend gemeinsam verbringen, zu zweit auf der Couch, gemeinsam mit Küssen und Pizza.

Am nächsten Morgen werde ich aufwachen, direkt neben dir, weil du nicht gehen wolltest oder ich dich nicht gehen lassen wollte. Ganz ruhig wirst du schlafen und ich werde dir dabei zusehen, wie die Sonne dich immer weiter kitzelt, bis das Jucken der Nase dich zum Aufwachen zwingt. Du wirst nicht erschrocken aussehen, wenn du erkennst, dass du nicht in deiner Wohnung aufgewacht bist, sondern zufrieden. Und ich werde dich küssen und dir sagen, dass du ruhig noch ausschlafen kannst, ich hole Frühstück.

Und dann werden wir frühstücken. Das allererste Mal gemeinsam.
Und dann werden wir miteinander schlafen.
Und dann durch die Stadt spazieren.
Und dann werden wir reden, weil man das so tut, um erst mal abzuklären, woran wir aneinander sind.
Und dann werden wir miteinander „gehen“.

Die ersten Wochen werden wir fast nur in einem unserer Betten verbringen, werden uns unsere Lebensgeschichten erzählen, von Anfang bis zum Ende und nichts dabei auslassen. Werden neben- und miteinander schlafen und die Welt da draußen vorbeziehen lassen. Werden ehrlich zueinander sein, weil alles andere verlogen wäre. Wir werden uns wunderbar fühlen, glaubst du nicht? So sorg- und schwerelos, so neugierig und mutig.

Fast so als wären wir noch Kinder. Du wirst mich zum Lachen bringen, unendliche Male und ich werde dich in den Schlaf streicheln, wir werden unsere Leben aneinander ausrichten, obwohl sie immer noch dein Leben und mein Leben bleiben. Wir werden aus unseren bisherigen Beziehungen gelernt haben und deshalb die unsere so besonders meistern.

Ich werde jeden einzelnen Fehler an dir lieben und du wirst es auch versuchen. So gut es eben geht. Und wir werden glücklich sein, verstehst du? Wir werden die Suche beenden können, weil du und ich, weil wir endlich zu einem Wir geworden sind. Der Alltag wird einkehren, so wie er immer einkehren werd, nur dass es diesmal nicht schlimm ist. Sondern uns noch näher zueinander führt. Mit dir wird plötzlich alles anders sein.

Deshalb schreibe ich dir ja. Weil ich mich schon heute darauf freue. Weil ich mich darauf freue, wenn diese verdammte Suche endlich vorbei sein wird. Weil ich es schon gar nicht mehr erwarten kann, bis wir uns endlich in diesem Kaffeehaus gegenübersitzen werden, du mit deiner Heißen Schokolade, die eigentlich nur ein Kakao mit Schlagobers ist und ich mit meinem Melange.

Es wird schön werden, da bin ich mir sicher. Ich liebe dich doch jetzt schon. Dich, oder meine Vorstellung von dir. Oder auch nur meinen Hoffnungsschimmer. Egal. Es reicht doch schon, wenn ich immer noch zu lieben bereit bin, oder?

Bis bald, also, okay?

4 Kommentare

  1. Hallo Dominik,

    So schön geschrieben und doch:

    Dann wenn man am wenigsten damit rechnet, wird die Realität noch viel schöner werden.

    Viele Grüße
    Mama Maus (die ihren Traummann bereits gefunden hat)

  2. Lieber Dominik,

    ich bin nahezu sprachlos, doch ich muss es jetzt über die Lippen, ich meine natürlich die Finger bringen bevor der Augenblick vorbei ist…
    Dieser ,,Brief“ ist eine der wundervollsten Sachen die ich erfahren durfte!
    Er ist so einzigartig geschrieben, mit viel Liebe zum Detail und herzergreifend!
    Ich wünsche dir ganz, ganz viel Glück, dass du deine Traumfrau schon bald findest und zwar von ganzem Herzen!!!

    Allerliebste und herzliche Grüße,
    Susi

    1. Liebe Susi,

      es freut mich, so schöne Worte für meinen Text zu bekommen. 🙂 Ich glaub ja, wie der Brief schon beweist, immer noch an die große Liebe, aber gut Ding braucht eben manchmal Weile. 😉

      Alles Liebe
      Dominik

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