Morsch gewordenes Holz

Ich gehe durch die Straßen und Gassen der Stadt, die mir vor Monaten noch so fremd vorkamen. Jetzt sage ich „Heimat“ oder „Nachbarschaft“ zu ihr, und kenne jedes noch so kleine Loch in dem sich bei Regenwetter Pfützen sammeln. Ich kenne die Ampeln und weiß in welchem Takt ihr Mechanismus geht. Ich hab mich in dieser Stadt verliebt, […]

Sand im Getriebe

Mein Name ist Linda Salieri, und ich bin tot. Seit – sollte meine Zeitrechnung stimmen – sechzehn Tagen, sieben Stunden und 48 Minuten. Beschwören kann ichs nicht, denn ich musste selber mitzählen. Sobald ich nämlich auf eine Uhr schaue, verschwinden die Zeiger oder, im Falle einer digitalen Anzeige, spielen die Zahlen verrückt.Fuer mich gibt es also keine Zeit […]

Ihr von morgen

Uns sind die Helden abhanden gekommen, sagte er zu mir über einem halbleeren Glas Bier. Du solltest neue machen. Also sitze ich hier, während sie sich alle in die Welt verteilen und schaffe ihnen neue Helden. Als Zurückbleibender bleibe mir sonst ohnehin nur die Auflösung. Natürlich, die ersten Tage wäre es Entspannung, die ersten Wochen produktive Lektüre, […]

Die Fälle des Taubenvergrämer Fitz (Fall 6.367)

Es ist heiß in der Stadt. Ein Auftrag führt mich in den Wedding. Der Kunde klagte am Telefon über eine Taube, die sich auf seinen Dachboden verirrt habe. Wenig später stehe ich vor ihr. »Hallo Taube. »Taubenvergrämer Fitz. Sieh an.“ »Kennen wir uns?“ »Ja, wir hatten schon ein paar Mal das Vergnügen. Sie wollten mich […]

Was vom Tage übrig blieb

Warum erinnert man  sich am Ende eines Sommers eigentlich immer nur an laue Sommernächte in Strandbars, an gemütliche Grillabende im Freien, an den einen perfekten Badetag am See? Warum vergisst man die verregneten Abende, an denen man doch nicht zum Freiluftkino geht, die Allergieschübe, die unbarmherzige Sonne, die jeden Spaziergang in der urbanen Betonwüste zur […]

Kehraus

Er saß dort jeden Tag als ein fester Bestandteil meines Heimwegs. Seit ich weiß nicht wie vielen Jahren, drei vielleicht oder vier. Manchmal rückte er ein paar Meter nach hinten, manchmal hatte er seine Decke etwas weiter links oder rechts ausgebreitet, aber immer mit Blick auf das Wasser. Im Schneidersitz, einen Stapel Blätter im Schoß. […]

Fuck, das Leben ist schön!

Die Sehnsucht war zu groß geworden, wir wollen sie heilen. Wir wollten das Alltagsgrau nicht mehr, deswegen hatten wir neue Farbkästen gekauft. Alltagsgrau in Meerblau, Häusergrau in Himmelblau, Gedankengrau in Ozeanblau. Den Kofferraum brachten wir kaum mehr zu, wir hatten ihn bis oben hin vollgestopft, unsere ganzen Lieblingsbücher hatten wir mitgenommen, die halbe Bibliothek ausgeräumt, […]