Du bist es nicht.

Dubistesnicht.jpg

Du bist es nicht. Du bist nicht das, was ich am meisten vermisse.

Es ist vielmehr dieses Gefühl. Weißt du noch damals, vor wenigen Monaten, als die Welt sich so verdammt schaffbar anfühlte? Als alles, und ich meine wirklich alles möglich war? Ich lüge nicht, wenn ich dir sage, dass ich mich an keine Zeit bisher erinnern kann, in der ich mich so lebendig gefühlt habe. Ich war always on the run und immer in Erwartung, schon wieder irgendetwas zum ersten Mal zu machen. Das Klopfen meines Herzens als Dauerbeschallung. Als du mir Wien von oben gezeigt hast, wir uns am Dach der Baustelle die Sternschnuppen servierten, als wir eine Plakatwand verschönerten und manchmal einfach nur im Wettlauf die Rolltreppen hochgerannt sind, lachend und keuchend und du jedes Mal chancenlos. Und trotzdem hast du immer gewonnen. Das war alles, bevor es dieses Wir gab, das wir schufen und irgendwann auch wieder – aufgrund mangelnden Erfolges – aufgaben.

Dieses Gefühl vermisse ich, diesen Mut, diese Scheiß-drauf-Attitüde und diese Hoffnung, das alles anders kommen kann und nichts, ich meine wirklich nichts so sein muss, wie es gerade scheint. Natürlich zählt da auch die Verliebtheit dazu. Darauf darf man nicht vergessen. Die schlaflosen Nächte, weil wir um die Häuser gezogen sind, der Barfußtanz um drei Uhr früh im Sommerregen und der erste Kuss in the most romantic way ever. Es waren perfekte Wochen, es war eine Zeit, die auf ewig in meiner Erinnerung bleiben wird. Ich merke mir viel, wirklich viel, aber so eingebrannt, so perfekt abgespeichert ist nur wenig in meinem Kopf. Weil ich mich dutzende Male selber überrascht habe, weil ich mich getraut habe, weil ich aus mir rausgekommen bin.

Seither hat sich viel verändert, einige Monate haben ihren Platz bereits in den Geschichtsbüchern eingenommen und ich habe mich manchmal gefragt, warum du mir so verdammt fehlst. Aber ich glaube, das warst nicht du, die mir das Vermissen so schmackhaft gemacht hat. Es war dieses Gefühl, dass ich dank dir gespürt habe. Und jetzt muss ich es nur noch schaffen, dieses Gefühl auch ohne dich entstehen zu lassen.

6 Kommentare

  1. Ein berührender Text.

    Ich bin nicht der Ansicht, daß man anstreben sollte, ein Lebensgefühl, das man durch einen geliebten Menschen erlebt hat, auch ohne ihn zu haben. Für mich gehört dieses Streben in die Abteilung „jeder sei sich selbst genug“ unserer Singlegesellschaft. Wenn einen etwas mit einem Menschen verbindet, ist das etwas Kostbares, und ohne diesen Menschen ist es verloren. Es ist viel zu dem Thema zu lesen, daß man die schönen, erhabenen, glücklichen Gefühle auch allein erreichen sollte. In meinen Augen schmälert das die Wertschätzung der Liebe.

    Herzliche Grüße

    1. Vielen lieben Dank.

      Ich muss da leider wieder widersprechen: Die Liebe wird zumindest von meiner Seite immer noch vollkommen wertgeschätzt. Aber wenn man es echt schafft, dieses Gefühl (wenn auch nur für kurze Momente) auch ohne einen Menschen an seiner Seite zu erschaffen, dann löst man sich aus diesem Klammergriff der Liebe, aus dieser Abhängigkeit. Aus diesen Gedanken, dass man nur in der Liebe glücklich sein kann, und dass man alleine nur Trübsal blasen kann, weil man es nicht teilt, nicht mit der Person, nur mit den Falschen oder gar nur mit sich selbst.

      Ich glaube, es wäre falsch, dieses Gefühl für lange Zeit erzeugen zu wollen. Aber hin und wieder Stunden, Tage oder Wochen im Singleleben zu haben, wo man dieses Gefühl spürt, das hat schon was. 🙂

      Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: