Fehler.

Fehler

Und so habe ich mir beim Scheitern zugesehen. Habe meine Fehler, das Misslingen, dieses Gefühl der Unzulänglichkeit beinahe schon zelebriert. Und schon war ich drinnen, in diesem Strudel, in diesem Wirbelwind, der mich davontrug und mich festhielt. Ich habe es genossen, schmolz das Scheitern ein und fügte eine Prise Selbstmitleid dazu. Baute mir Ziegel für Ziegel mein eigenes kleines Gefängnis, das stets bereit war mir zu zeigen, was ich nicht konnte. Damit ich endlich vergessen konnte, worin ich gut war. Um nicht mehr daran erinnert zu werden, worin meine Fähigkeiten und meine Talente sind, sondern nur mehr daran, wo Scheitern offenbar die einzige Möglichkeit war. Das Vertrauen in mich wurde mit jedem Misslingen nur noch geringer, was solle ich denn schaffen, wo ich  nun doch schon an einfachen Dingen scheiterte? Und mit dem verlorenen Vertrauen erhöhte ich natürlich den Druck. Eine explosive Mischung, und – wie man so schön sagt – noch dazu zum Scheitern verurteilt. Sozusagen ein verkehrtes Pyramidenspiel: mit jedem Scheitern hob ich ein paar Kubikmeter Erde aus, erhöhte den Druck der Schaufel und das Loch wurde immer tiefer und ich rutschte nach. Ein Lernen aus dem Scheitern war dann natürlich auch nicht mehr möglich, ja, wie denn auch? Ohne den Glauben an sich und mit der Gewissheit es wieder nicht zur eigenen Zufriedenheit schaffen zu können: Wie hätte ich die fruchtbare Erfahrungen in mich aufnehmen können? Die Fehler nahmen Überhand und das Gefühl einfach nur noch scheiße. Eine kurze depressive Phase nennt man das eventuell. Ich weiß es nicht.

Die Wahrheit ist: Ich habe Angst vor Fehlern. Und Angst ist nie ein guter Ausgangspunkt, um etwas zu schaffen. Sie schränkt ein, sie stoppt, sie bremst. Und ich hasse es zu scheitern. Auch wenn ich in meinem bisherigen Leben so oft erlebt habe, dass aus einem Misslingen oftmals etwas viel Schöneres entstehen kann. Trotzdem habe ich eine scheiß Angst, dass es mir wieder passieren könnte. Die einzige Lösung war es, Abstand zu gewinnen. Runterschrauben, die eigenen Erwartungen und den Druck und manchmal wieder bei Null zu beginnen. Das ist vielleicht etwas schmerzlich, aber es bringt einen weiter. Und manchmal braucht es noch ein paar Schritte zurück, einen größeren Abstand, eine kurzzeitige Flucht mit Rückkehrmöglichkeit. Und manchmal muss man ganz einfach auch ausmisten. Runterschalten. Und Lernen. Aus all diesen Fehlern lernen, denn sie gehören dazu. Ohne Fehler hätte ich so vieles nicht gelernt, nicht gefühlt, nicht gespürt. Diese Fehler kleben an mir und ich hab allen Grund darauf stolz zu sein. Sie machen mich aus. Und da hab ich zwar vielleicht immer noch Angst vor ihnen, aber jetzt habe ich so vieles, dass auch aus dieser einen Phase mitnehmen, dass ich lernen kann, dass mir die Angst jetzt mal für einige Zeit gestohlen bleiben kann. Verdammt, auch ich mache Fehler, und manchmal sind sie richtig gut. Und manchmal verdammt wichtig.

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von kevin dooley

2 Kommentare

  1. Schöner Text, vor allem der letzte Absatz gefällt mir ziemlich..

    „Ich habe Angst vor Fehlern. Und Angst ist nie ein guter Ausgangspunkt, um etwas zu schaffen. Sie schränkt ein, sie stoppt, sie bremst. Und ich hasse es zu scheitern. Auch wenn ich in meinem bisherigen Leben so oft erlebt habe, dass aus einem Misslingen oftmals etwas viel Schöneres entstehen kann.“

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