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Wenn ich was kann, dann nichts dafür • Jan-Uwe Fitz

Herr Fitz erzählt – auf unvergleichliche Art und Weise – wie schwierig und überaus unterhaltsam es sein kann, eine Sozialphopie (und noch viel mehr) zu haben.

Humor hilft. Offenbar zumindest Jan-Uwe Fitz, welcher mit seinen Tweets und Geschichten des Irrsinns bei mir bereits einen ganz besonderen Platz eingenommen hat. Fitz leidet an einer sozialen Phobie, er entwickelt Ängste beim Zusammentreffen mit fremden Menschen. Und schreibt in seinen Werken auch darüber, manchmal bekommt man sogar Mitleid mit ihm, wenn man mitkriegt, wie schwer er es mit Menschen hat. Aber die meiste Zeit sitzt man mit Herrn Fitz lachend im Zug, schmunzelt über großartige Dialoge, sucht „Easter Eggs“ in den Büchern und erfreut sich über diese wunderbare Art der Literatur.

JanUweFitz2Jan-Uwe Fitz
lebt in Berlin und füttert Blog & Twitter

Bisherige Werke:

  • Entschuldigen Sie meine Störung – Ein Wahnsinnsroman (2011)
  • Der Unerträgliche – Teil 1 (2012)

Mit zwei Jahren das Taubenvergrämer-Unternehmen von seinem Vater vererbt zu bekommen, stellt für den kleinen Herrn Fitz natürlich schlagartig alle seine anderen Zukunftspläne in Frage. Während seine Mutter sogleich entwischt, weil ihr bereits ein Vergrämer fast schon zuviel war, baut Jan-Uwe sich in Juf, einem kleinen Schweizer Ort für Soziophobiker, sein Imperium auf. Das große (und zugleich auch einzige) Problem ist jedoch die Inexistenz von Tauben an diesem Ort. Beim Versuch, eine Taubeninvasion zu fingieren erfährt er erstmals davon, dass Berlin ihn viel dringender bräuchte. Oder gar Venedig. Und so macht sich der Taubenvergrämer zu seinem größten Abenteuer auf, Halbschritt für Halbschritt, stets mit dem Wissen, dass es nirgendwo besser wird.

Seine Geschichten sind so verrückt, so abge- und überdreht, dass man nicht umhin kommt, immer und immer wieder zu schmunzeln. Es ist famos, mit welchem Witz und welchem Gespür für zwischenmenschlichen Konversationen er unserer Gesellschaft mitunter einen Spiegel vorhält. Und es scheint fast so, als könne es nur Fitz, Worte auszusprechen, die sich womöglich viele zwar denken, aber niemals zu sagen wagen. Genau das macht das Buch so besonders.

„Na ja, du kennst ja deine Mutter…“
„Nein!“, rief ich verzweifelt. Als ich mich wieder beruhigt hatte, fragte ich leise: „Wie war Mami denn so?“
„Nicht so toll. Ein bisschen wie du.“

Wenn schon Lob, dann aber richtig! Jan-Uwe Fitz hat mich bereits mit seinem Erstlingswerk „Entschuldigen Sie meine Störung!“ begeistert. Nur wenige andere Bücher haben es geschafft, mich mit Humor und Tragikkomik so zu begeistern. Und auch wenn „Wenn ich was kann, dann nichts dafür“ mich zu Beginn überraschend weniger schmunzeln ließ, konnte ich mich dem Sog nicht entziehen und musste nach dem Ende des Buches meinen Freunden all diese großartigen Geschichten des Taubenvergrämers erzählen (und im Nachhinein sind vor allem die Anfangsseiten erzählenswert!). Deshalb, lieber Herr Fitz, mehr davon! (Ich warte ja immer noch sehnsüchtig auf den 2. Teil von „Der Unerträgliche“!)

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Jan-Uwe Fitz

Wenn ich was kann, dann nichts dafür

Ullstein Verlag

Preis: 9,30 Euro (ebook: 7,99 Euro) (Info zu Partnerlinks)
252 Seiten
ISBN: 978-3-548-37478-6

 

Veröffentlicht in Literaturheld

4 Kommentare

    • Dominik Leitner

      Von „wollen“ kann ja gar nicht die Rede sein!

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