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Fast genial • Benedict Wells

Das Aufwachsen in einer zerrütteten Welt, ohne Perspektive und mit einer Unmenge an Verantwortung. Francis hat es wahrlich nicht leicht. Bis er in Erfahrung bringen will, wer sein leiblicher Vater ist. Denn das macht alles nur noch viel komplizierter.

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Wenn man sich den Buchrücken durchliest, ist man kurz davor, es wieder wegzulegen: Nicht noch ein Kind-sucht-bisher-unbekannten-Elternteil-Roman. Und nicht noch ein Roadtrip durch die USA. Das hatten wir alles doch schon zigtausend Mal. Ein Glück, dass ich schon lange vorher sehr viel Gutes über das Buch gelesen habe und es ja doch einige Zeit lang (in der Prä-Fifty-Shades-of-Grey-Ära) einen vorderen Rang der Belletristik-Hitliste innehielt. So segelte das Werk von Benedict Wells in der grünen Leinen-Hardcover-Sonderausgabe zum Spezialpreis in mein Bücherregal.

BenedictWellsBenedict Wells
geboren 1984 in München

Weitere Werke:

Francis hat den Abstieg des Abstiegs hinter sich. Er ist dort angelangt, wo er nie hinwollte – in einem Trailerpark – und ist noch dazu genötigt, ein beschissenes Leben zu führen. Seine Mutter ist depressiv, sein Halbbruder führt ein geliebtes Leben bei Francis‘ Stiefvater, in der Schule klappt rein gar nichts und doch scheint er nicht wirklich ans aufgeben zu denken. Als ständiger Gast in der Psychiatrie, in der er von Zeit zu Zeit seine Mutter einliefern lassen muss, versucht er sich mit all dem abzufinden. Der ewig gleiche Ablauf: in ein paar Wochen kommt sie wieder nach Hause, alles läuft gut, sie ist frohen Mutes, nichts gelingt und dann gehts wieder zurück in die Psychiatre. Der Kreislauf des Lebens sozusagen.

Bis er plötzlich Anne-May kennenlernt. Bis seine Mutter versucht, sich umzubringen. Bis er sie findet und damit vor dem Tod bewahrt. Bis er diesen einen Brief öffnet, der sein Leben verändern wird. Bis er erfährt, dass er kein Unfall war, sondern vielmehr Teil eines Experiments. Ein Retortenkind, eigentlich zur Genialität verdammt. Und mit diesem Wissen, seinem besten Freund Grover, der ausbrechenden Anne-May und 5.000 Dollar, die er von seinem Stiefvater bekam, machen sie sich auf die Suche. Nach dem Typen, der vor rund zwanzig Jahren für jenes Spermium verantwortlich war, welches in seiner Mutter zu ihm heranwuchs.

Auf der Fahrt beobachtete Francis wieder alle Männer, die sein Vater hätten sein können. Als sie an einer roten Ampel standen, entdeckte er schließlich das Profil eines großen, kantigen Mannes Ende vierzig, das im recht ähnlich sah. Er trug einen Anzug und hatte eine randlose Brille. Das ist er, durchzuckte es Francis.

Auch wenn die Rahmengeschichte nur wenig innovativ anmutet, so ist es Wells gelungen, einen spannenden, überraschenden und zwischen Angst, Eifersucht, Trauer, Hoffnung wankenden Roadtrip zu beschreiben. Wenig vorhersehbar und doch mit angenehm lockerer Sprache hofft man gemeinsam mit Francis auf ein Happy End. Auf einen Ausweg aus der Misere, die er Leben nennt. Auf einen Vater, auf den er stolz sein kann. Auf eine Liebe, die seinem Leben neuen Sinn einhaucht. Francis wurde von Wells so sympathisch gestaltet, dass sich viele junge Menschen mit ihm identifizieren können. Er hat nicht viel falsch gemacht, es war die Umwelt, die ihm Tausende Striche durch die Rechnung machte. Und diese Angst, diese Gefahr, diese Unberechenbarkeit des Lebens … die kennen wir doch alle, nicht wahr?

FastGenialCoverBenedict Wells

Fast genial

Diogenes Verlag

Preis: 10,30 Euro (Info zu Partnerlinks)
321 Seiten
ISBN: 978-3-257-05731-7

Veröffentlicht in Literaturheld

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