Kommen und Gehen.

Baum

Der Nebel ist gekommen, um hier zu bleiben. Die feuchte Luft legt sich sanft auf unsere wenige nackte Haut, wir sitzen hier, auf dieser Bank, in dieser Wildnis, vor diesem Wald und atmen tief ein und wieder aus. Wir sind einfach losgegangen, haben uns ein kleines bisschen verlaufen, wollten weg, von diesem Nebel, weg aus dieser Einfärbigkeit und haben es nicht geschafft. Sind bis hierher gekommen, haben resigniert und wollen dann wieder zurückkehren. Es ging uns doch nur darum, einen Ausweg zu finden, einen anderen Blickwinkel zu erreichen. Ging doch nur darum, dass wir wieder einmal rauskommen, wieder einmal etwas Neues entdecken. Und dann kommen wir zum zweiten Mal an diesem einen Baum vorbei und gehen zwei Mal wieder in die falsche Richtung und drehen uns im Kreis. Der Nebel hat uns nicht nur alle Farben, sondern offenbar auch den Orientierungssinn genommen. Wir sitzen hier, atmen tief ein und wieder aus. Es ist still, selbst die Vögel finden es hier zu trostlos und Rehe oder Hirsche habe ich hier sowieso noch nie gesehen. Still ist es, so still, dass man beinahe das Prickeln hört, wenn man mit der Hand durch den Nebel fährt. Wir sitzen hier, sind müde vom gehen, kommen nicht mehr nach Hause. Und auch die Sonne, die nun bereits auf ihrem höchsten Punkt stehen sollte, schafft es nicht hindurch. Es wird heute nicht besser. Das wird es nicht. „Komm. Lass uns gehen.“, sage ich und nehme dich an der Hand. Zurück in den Nebel, zurück an den Punkt bei dem Baum, an dem wir zweimal vorbeigegangen sind. Zurück zu den Vögeln und der Einfärbigkeit. Manchmal kann man all dem nicht entkommen. Manchmal ist man einfach darin gefangen.

Bildquelle: NamensnennungKeine kommerzielle NutzungKeine Bearbeitung Bestimmte Rechte vorbehalten von Photomatt28

 

Ein Kommentar

  1. Das Übliche ist ja nicht immer schlecht. In den Allerweltsphrasen stecke zu einem gewissen Teil auch ich. Und da ich die Texte auch veröffentliche, will ich natürlich, dass meine Leser sie mögen.

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