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Wachstumsschmerz • Sarah Kuttner

Luise und Flo beschließen endlich erwachsen zu werden. Diese dummen Kinder!

Luise und Flo sind ein Paar, sie sind verliebt, sie besuchen mit der Maklerin eine Wohnung nach der anderen. Sie wollen zusammenziehen und die Beziehung auf eine vollkommen neue Ebene stellen, auf die Gemeinsame-Wohnung-Ebene. Wollen erwachsen werden, und sind doch von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Luise, die gelernte Herrenschneidern, die gerne Schauspielerin sein möchte, oder in einem Werbespot mitspielen. Und auch Flo ist unzufrieden mit seinem Job. Was bleibt ist der Beschluss, zusammenzuziehen. Und es dauert nicht lange, da stolpern sie über Dinge, die sie eigentlich nicht belasten sollten, bauschen Probleme auf, wo eigentlich keine sind. Und mehr und mehr brechen Luise und Flo auseinander. Mehr und mehr schaffen sie es nicht, erwachsen zu werden. Sondern verharren in ihrem Jetzt oder entwickeln sich sogar zurück.

Sarah Kuttner

Sarah Kuttner
geboren 1979 in Berlin

Weitere Werke:

  • Mängelexemplar (2009)

Man weiß schon bald, wie die Geschichte ausgehen wird. Dass das Zusammenziehen nicht der Beginn etwas großem Neuen war, sondern der Beginn vom Ende von Luise und Flo. Durch eingestreute „Memos“, folgt man Luises Gedanken in der Zeit nach der Trennung. Eine Mischung aus Wut und Hoffnung, aus übrig gebliebener Liebe und dem Ärger über den Verlauf der Dinge. Und dazwischen wankt man mit den beiden gemeinsamen ihrem eigenen Untergang entgegen. Die Probleme, die die beiden beschäftigen, sind oft nur Kleinigkeiten, nicht der Rede wert. Und doch kehren sie nicht um, die beiden. Laufen offenen Auges dem Abgrund entgegen.

Kuttner hat mit ihrem zweiten literarischen Werk – zwei Jahre nach Erscheinen des recht gelobten Erstlings „Mängelexemplar – wieder einmal versucht, das ganz normale Leben einzufangen. Mit viel Gefühl, ohne großem Tamtam. So etwas, wie es z.B. Elisabeth Rank perfekt beherrscht. Auch sie braucht keine große Geschichte, keine außergewöhnlichen Ereignisse, sondern schreibt einfach nur über das Leben. Was Rank aber besser als Kuttner schafft: die Personen altersgerecht agieren zu lassen. Dass Luise Anfang 30 ist, und oftmals wie ein 15jähriges Mädchen klingt und manchmal benimmt, als habe die Pubertät bei ihr noch gar nicht begonnen, nervt und lässt die ganze Geschichte fahl wirken.

Ich schleiche schon seit Tagen in der Wohnung herum und berühre wie nebenbei Sachen, die dir gehören. Streiche scheinbar gedankenverloren an deinen Büchern entlang, schiebe ohne Notwendigkeit deine Schuhe im Flur hin und her, ordne die Zeitschriften auf deinem Nachttisch und überprüfe, wie lange die Remoulade, die du so gern auf deinen Broten magst, noch haltbar ist.

Man darf mich jetzt nicht falsch verstehen. Ich habe das Buch 2012 gelesen, es hat mir gefallen, hat mich zumindest gut unterhalten. Die Überlegung mit den eingeworfenen Memos, mit dem Vorwegnehmen des Endes, wobei man lange Zeit nicht weiß, ob Flo nun tot ist, oder sich die beiden nur getrennt haben, gefällt mir und ist auch gut umgesetzt. Für mich sind das die liebsten Teile des Buches. Weil da wenig geredet wird, weil Luise da einfach nachdenkt und sich der Wandel der Gefühle sichtbar macht. Sarah Kuttner hat kein umwerfendes Buch geschrieben, keines, was einem den Atem raubt. Aber zumindest ein recht Unterhaltsames.

Wachstumsschmerz

Sarah Kuttner

Wachstumsschmerz

Fischer Taschenbuch

Preis: 9,99 Euro (ebook: 9,49 Euro) (Info zu Partnerlinks)
281 Seiten
ISBN: 987-3-10-042206-4

Bildquelle: Autorenfoto von Marcus Höhn

Veröffentlicht in Literaturheld

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