Mirka • Wortheldin September 2015

Ich hole sie vor den Vorhang: Wer sind diese Worthelden, die mich mit ihren literarischen Texten auf ihren Blogs verzaubern? Diesmal hat Mirka meine zehn Wortheld-Fragen beantwortet.

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Wer bist du und wenn ja, warum?

Ich bin Mirka und das schon seit 2009. Mirka schuf ich, als ich beschloss, dass es nicht sehr sinnvoll ist, unter seinem Klarnamen Ergüsse ins Internet zu kotzen, wenn man noch zur Schule geht und aus einer winzigkleinen Stadt irgendwo am Rande des Sauerlands kommt. Inzwischen bin ich aber hinter diesem Pseudonym hervorgekommen und stehe auch gerne für das, was ich schaffe, mit meinem Namen ein. Viele aus meinem persönlichen Umfeld kennen meinen Blog oder meinen Twitteraccount, wer so alles tatsächlich mitliest, kann ich nicht einschätzen. Da ich überlege, mir ein zweites Standbein als Referentin und freie Journalistin (zum Beispiel bei Pädagogik-Magazinen) aufzubauen, werde ich aber vermutlich früher oder später den Schritt gehen, im Internet zu meinem Klarnamen zurückzukehren.

Die Person hinter Mirka wird jedenfalls im Dezember 23 (und im Schnitt fünf Jahre älter geschätzt) und hat ein abgebrochenes Studium der Philosophie und Politikwissenschaft sowie einen fast fertigen Bachelor in Frühpädagogik vorzuweisen. Sie arbeitet in einer Krippe in der größten hessischen Stadt und träumt davon, irgendwann ein eigenes inklusives Familienzentrum auf die Beine zu stellen.

So viel zu den realen Eckdaten. Doch wer bin ich wirklich?

Gibt es auf diese Frage eine Antwort? Nur eine? Mehrere? Keine? Ich glaube, behaupten zu können, dass ich mich in den letzten Jahren gefunden habe. Dass ich bei mir angekommen bin und dass sich dieses Ankommen unglaublich gut angefühlt hat und immer noch anfühlt. Lange wollte ich in den (Kultur-)Journalismus gehen, habe aber im Laufe der Jahre und im abgebrochenen Studium gemerkt, dass ich diesen Weg so nicht weiter gehen kann und möchte. Dass ich andere Vorstellungen von meinem Leben habe, andere Wünsche, andere Bedürfnisse. Über Umwege und dann mit sehr viel Bestimmtheit bin ich in der Frühpädagogik gelandet und freue mich darauf, nächstes Jahr komplett ins Berufsleben als „studierte Erzieherin“ einzusteigen. Ansonsten kann ich ziemlich gut kochen und backen, gebe mein Bestes, für Menschen da zu sein, die mir etwas bedeuten und fahre gerne stundenlang Auto (und das soweit auch ziemlich gut). Ich träume von einer mehrmonatigen Rucksacktour durch Skandinavien, von einem VW-Bulli und von einem Gemüsegarten. Irgendwann habe ich mal gesagt, dass ich vier Kinder will, aber da ich Projekte selten zu Ende stelle, habe ich bestimmt nach dem zweiten keine Lust mehr. Ich bin ein Hundemensch und allergisch gegen nichts – außer Intoleranz.

Und wie viel davon steckt in deinen Texten?

Vor einigen Jahren schrieb ich diesen Text darüber, in dem ich erzählte, dass in meinen Texten alle Menschen, die ich jemals getroffen haben steckten, aber wenig von mir. Mit etwas mehr Distanz erkenne ich beim Lesen alter Texte schon das wieder, was mich zum Zeitpunkt des Schreibens sehr beschäftigt hat, was gerade so in meinem Leben los war, was mir passiert ist und was ich für Baustellen zu bearbeiten hatte. Und ich erkenne Menschen wieder. Menschen, die zum Teil heute nicht mehr in meinem Leben sind, was sich in den Texten bereits deutlich abgezeichnet hat. Vermutlich wollte ich mir diese Verarbeitungsprozesse damals einfach noch nicht eingestehen.

Die Texte der letzten ein, zwei Jahre sind allerdings noch näher an mir dran, als es alte Texte sind. Sie erzählen nach wie vor nicht mein Leben nach, aber sie arbeiten sich klarer an meinen Gefühlen ab, was mir schon beim Schreiben sehr gut getan hat. Ich bin gespannt, wie ich diese Texte in einigen Jahren wahrnehmen werde. Und was für Texte ich in der nahen Zukunft noch schreiben werde. (Bin ich eigentlich die einzige, die denkt, dass sie nie wieder eine Idee haben wird, kaum dass sie einen wirklich guten Text zu packen bekommen und zu Ende gestellt hat?)

Seit wann und warum schreibst du eigentlich?

Wenn ich ehrlich sein soll, dann schreibe ich, seitdem ich schreiben kann. Seitdem ich die Fähigkeit habe, nicht nur Wörter zu schreiben, sondern aus ihnen Sätze zu bilden, die etwas erzählen und im besten Fall sogar eine schöne (oder schmerzhafte, sein wir ehrlich) Geschichte.

Mein erstes großes Werk schrieb ich mit 7 Jahren, hieß „Frau Schwein kauft ein“ und war neben Text auch mit absurden Illustrationen versehen. Ich bin ziemlich sicher, dass es sich noch irgendwo in meinem Elternhaus befindet, aber es ist gar nicht so einfach, in einem großen Haus Dinge wiederzufinden.

Ich schreibe, weil die Dinge raus müssen. Direkt oder indirekt. Die Ängste und Verletzungen, die Wünsche und Träume, die Sorgen und Nöte, die Wut, die Wut, die Wut.

Was macht dich sprachlos?

Rassismus, ebenso wie andere -ismen, hat mich lange sprachlos gemacht. Inzwischen macht er mich wütend und laut und unbequem und das ist auch gut so.
(Gefühle. Gefühle machen mich sprachlos. Oft.)

Wo befindet sich dein kreativster Ort?

Die meisten Geschichten in mir wachsen, wenn ich Musik live höre und erlebe. Oft sind plötzlich Texte in meinem Kopf, wenn ich in der Masse stehe und die Menschen, die da vorne alles geben, etwas in mir auslösen. Schnipsel, die ich dann hektisch in mein Handy tippe, um weiter tanzen und Konfetti werfen zu können. (Ich möchte mich bei allen entschuldigen, die denken, dass ich auf Konzerten und Festivals nichts Besseres zu tun habe, als SMS zu schreiben oder Facebook zu checken. Aber hey, immerhin bin ich niemand von den Horsten, die das ganze Konzert direkt vor deiner Nase filmen, sodass du es nur über einen Handybildschirm sehen kannst!)

Das tatsächliche Schreiben passiert meistens im Bett oder in der Bahn. Quasi die beiden Orte, an denen ich wohne.

Wer oder was inspiriert dich?

Das Zusammensein mit Kindern. Inspirierende Gespräche bei gutem Essen und mit Menschen, die mir nahestehen oder die ich interessant finde. Fremde Texte, auch wenn hier immer wieder die Gefahr besteht, sein eigenes Schreiben zu sehr an dem anderer anzulehnen. Mein eigenes Scheitern. Ungerechtigkeit. Musik.

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Wie viele Entwürfe verstecken sich in deinem Blog?

Aktuell 18, aber ich versuche das gerade – ähnlich wie Besitz, überzogene Ansprüche und Zaghaftigkeit – zu reduzieren. Mehr bloggen wäre aber, wie so vieles, was Spaß macht, schön. Hoffentlich bald.

Bist du kreativer, wenn du glücklich oder wenn du traurig bist?

Am Kreativsten bin ich, wenn ich unter Strom bin, wenn ich aufgewühlt bin, wenn ich nicht weiter weiß. Wenn in mir alles Achterbahn fährt und ich mir selbst Halt geben muss. Dann wüte ich: Bevorzugt mit Worten.

Was ist dein ganz persönlicher, selbst geschriebener Herzenstext?

So viele Texte, die in den letzten Jahren in der Kategorie Textwerkstatt meines Blogs erschienen sind, liegen mir am Herzen – davon möchte ich keinen über die anderen stellen.

Wer ein bisschen darüber lesen möchte, was es heute bedeutet, Erzieherin zu sein, der sollte diesen Text von mir lesen.

Welche drei literarischen Blogger möchtest du empfehlen?

Elisabeth Rank
Sarah Riedeberger

(Lese ich ansonsten wirklich nur „Mutti-Blogs“, Food Blogs und Minimalismus Blogs? Das muss sich ändern!)

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Bildquelle: (c) Marinka / @plastikblume / Instagram

2 Kommentare

  1. Pingback: verdachtsmoment

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