Herr Leitner (wird ver)heiratet.

Nicht viele Menschen können von sich behaupten, dass sie im zarten Alter von 28 Jahren bereits ihre Silberhochzeit feiern können. Aber es stimmt wirklich: Irgendwann im Sommer 1991 habe ich das erste (und bisher einzige) Mal Ja gesagt. Es war ein schöner, sonniger Tag und die Hochzeit fand im Garten meiner Großeltern statt. Aber für die ganze Geschichte muss ich natürlich noch viel weiter ausholen.

Auf der mütterlichen Seite der Familie gab es meine Cousine, meinen Cousin, meine Schwester und mich. Ich war immer der Kleine und meine Cousine, die ungefähr 9-10 Jahre älter ist als ich, die Tonangebende. Es war zumindest für mich immer großartig, wenn wir vier Zeit miteinander verbrachten undsich meine Cousine und mein Cousin mit uns beschäftigten. Natürlich war ich von klein auf auch schon immer zu allem bereit, wenn es darum ging irgendeinen Blödsinn zu machen. Dann gab es da auch noch Lisa, ein Nachbarkind aus der Gegend meiner Großeltern. Nur wenige Tage vor mir geboren, war sie schon immer so etwas wie meine Sandkistenfreundin und mit elf Jahren schließlich auch der Grund für meinen ersten großen Liebeskummer.

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte: Meine Cousine liebte es auf – wie es offenbar in der Natur von so manchen Zwölfjährigen ist -, uns zu verkleiden. Dafür nutzte sie alles was zu finden war: Gegenstände von der Garderobe, alte Stoffe unserer Oma, alte Jacken, Hosenträger usw. Sie hatte ihren Spaß, uns in neue „Kleidung“ zu stecken und wir hatten unsere Freude damit, für so viel Spaß zu sorgen. Ihr Meisterwerk gelang ihr aber, als sie Lisa und mich zu einer Hochzeit überredete.

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Mit Opas Hut wurde mein schon damals relativ großer Kopf bedeckt, während Lisa in unzählie Store gehüllt war, einer davon sogar zum Schleier hochgesteckt, inklusive abgeschnittener (und wie man am Foto schon sehen kann etwas durstiger) Blumen aus Omas Garten. Ob wir so richtig „Ja, ich will“ gesagt haben, weiß ich nicht mehr. Um mich daran zu erinnern, ist es nun echt schon viel zu lange her. Meine Oma hat ja bis zu ihrem Tod behauptet, dass ich bis zum Alter von vier Jahren gar kein Wort redete, dafür umso mehr. Aber ich bezweifle natürlich, dass Lisa den schweigenden Dominik überhaupt geheiratet hätte.

So bin ich nun also seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet. Eine unglaubliche Zeit, eindeutig sehr viel mehr als die Hälfte meines Lebens bin ich nun schon vergeben. Ich hätte es ja witzig gefunden, wenn wir alle Beteiligten zu einem sommerlichen Grillen und zur Feier der Silberhochzeit eingeladen hätten. Aber vielleicht übertreibe ich in meinem Kopf ja nur ein bisschen. Aber so oder so zaubern die Fotos dieser Hochzeit immer wieder in Sekunden ein Lächeln auf meine Lippen, die Erinnerungen an den Tag haften sogar heute noch ein bisschen in meinem Kopf. Wir waren glücklich und alles war damals einfach nur schön. Manchmal vermisse ich dieses Gefühl.

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