Der Dichter und sein Held.

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Der Dichter wandte sein Gesicht
Wie jeden Abend ab vom Licht.
Die Feder still in seiner Hand
Erdachte er sich Meer und Land.

Ob Straßen, Häuser oder Brücken
Er verstand der Städte Tücken.
Doch viel wichtiger für ihn war
Dass er einen echten Mensch‘ gebar.

Mit Kopf, Haar, Finger und Zehen
Lernte dieser schon bald gehen.
Mit Herz, Seele und Verstand
Nahm der Dichter ihn an der Hand.

Er zeigte ihm die Welt von innen
Doch ließ ihn wieder neu beginnen.
Denn über ein solch neuartig’s Wesen
Hat noch niemand bisher gelesen.

Der Dichter kreierte ihm die Reise
Hoffte, dass sich der Held klug erweise.
Nicht immer war das vollends klar
Doch mit Worten umging er jede Gefahr.

Als sein Held am Ende doch gewann
Der Dichter etwas zu weinen begann.
Mag es doch auch an ihm wohl liegen
Dass seine Helden immer siegen.

Der Dichter blickte auf eine Zeichnung
Erkannte den Held, erkannte die Gleichung.
Da wurde er plötzlich fuchsteufelswild
Blickte er doch in sein Spiegelbild.

„Schon wieder“, sagte er schon wieder,
„Sing ich nur die bekannten Lieder!“
Ein Dichter braucht mehr Abstand wohl
Eine Trennung, eine Reise zu einem Pol?

Doch sein Held zeigte dem Dichter
Am Sternenhimmel viele Gesichter.
Von Helden, die die Welt nie sah
Waren sie dem Künstler doch zu nah.

„Ich bin ein Mensch wie du und ich
Kein Held und auch nicht gegen dich.
Ich werde immer so sein wie du
Lass es doch bitte einfach zu!“

Verzweifelt ringte der Held um Fassung
Er hatte Angst für kreativer Entlassung.
Der Dichter war noch wutentbrannt
Hat er sich doch wieder selbst erkannt.

„Ich bin kein Held, will es nicht sein
Will dich erschaffen, denn du bist mein.
Drum sag mir nicht, du seist wie ich
Denn selbst wenn ich könnte, ich mag mich nich'“

Bildquelle: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Genista

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