Taxi.

„Sie haben keine Ahnung, wohin sie fahren, oder?“
– „Vertrauen Sie mir, okay?“
„Ich kenne diesen Weg aber nicht.“
– „Lassen Sie mich meinen Job machen und sie machen dafür … das, was sie ansonsten machen, okay?“

Der gehässige Ton des Fahrers und mein aktuelles Misstrauen gegenüber allen fremden Menschen und der Welt im Gesamten macht die Situation nicht besser. ‚Steige in ein Taxi und nenne ihm die Adresse.‘ lautete eine SMS, die ich auf das Telefon geschickt bekommen habe. Ja, verdammt, ohne einen blassen Schimmer zu haben, weshalb ich überhaupt hier bin, ist es definitiv die beste Lösung, zu einem Fremden ins Auto zu steigen und sich an eine zuvor nicht bekannte Adresse kutschieren zu lassen.

Mein Kugelschreiber bohrt sich beinahe in meine Haut.

11 Uhr. Sitze in einem Taxi. Es ist sonnig.

Keine Ahnung, ob meine kleinen Notizen etwas dazu beitragen, dass ich aus diesem Trott der Ungewissheit, der Ahnungslosigkeit und des Herumirrens herauskommen kann.

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Die Felder links neben der Feldstraße sind an Schönheit kaum zu überbieten. Bunte Streifen ziehen sich hunderte Meter weit über das Land, ein Regenbogen aus Blumen, ein Kunstwerk der Natur. Es sieht heiß draußen aus, doch die Klimaanlage des doch schon etwas alten Taxis arbeitet noch recht brav und scheint zumindest den Fahrer zufrieden zu stellen. Ich kenne diese Gegend nicht und habe jetzt auch keine Ahnung mehr, wie lange wir eigentlich schon unterwegs sind. Ich hätte mir die Abzweigungen, die Straßen- und Ortsschilder merken sollen, doch mein Gehirn ist offenbar für diese Aufgabe aktuell nicht geschaffen.

„Das macht 44 Euro geradeaus.“ Ich schrecke hoch. Vierundvierzig Euro? „Ich, ich …“ Verzweifelt beginne ich herumzukramen, ob es irgendetwas gibt, dass ich ihm da lassen kann, irgendetwas als Pfand, doch schon in der ersten Hosentasche die Überraschung. Zwei blaue Scheine und eine 2 Euro Münze finden sich beim Öffnen meiner Hand wieder. „Moment noch.“, unterbreche ich den Fahrer, der schon nach dem Geld greifen möchte und weiß, dass da noch irgendwo zwei Euro sein müssen. Weil das alles nach einem Plan abläuft, weil das Geld nicht meines ist und all das doch einen Grund haben muss. In der Tasche bei der linken Pobacke finde ich schließlich die letzte notwendige 2-Euro-Münze und steige aus.

Der Taxifahrer, ob des hohen Trinkgelds wahrscheinlich erbost, fährt weg, kehrt mitten auf der Straße um und kehrt zurück Richtung Stadt. Und ich blicke mich um, nicht unfern des Regenbogens, blicke nach vorne, zur Seite, drehe mich um. Die pure Natur, die pure Landschaft, nur von einer kleinen Straße durchquert und sonst? Nichts.

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