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Florian Berg ist sterblich • Janko Marklein

Florian Berg ist ein menschgewordener Widerspruch und man bleibt stets im Glauben, dass er daran scheitern wird (müssen).

Florian Berg ist ein junger Mann in seinem ersten Semester an der Universität. Er ist einerseits irgendwie schüchtern, andererseits stehen offenbar die Frauen auf ihn. Er möchte sich einerseits sehr gerne verlieben, sucht aber andererseits stets nach Gründen, warum das Gegenüber diese Liebe nicht verdient ist. Florian möchte daheimhocken und macht sich dann doch auf den Weg quer über den Kontinent. Wer oder was ist Florian Berg also?

Er war zumindest der beste Freund von Ole, damals, in Wulsbüttel, nahe der Fischerteiche. Die sogenannte wohlbehütete Kindheit, als Sohn eines Pastoren und einer Pastorin, inmitten einer Landidylle, die oftmals nur so wohlig scheint. Von der Vereinsgründung, jener Zeit, wo die Mädchen plötzlich interessant werden sollten, von Streits, dem Schicksal der Eltern bis hin zum ersten Kuss. Florian Bergs Kindheit und Jugend war vieles, nur nicht normal und doch: In Wahrheit ist Florians Geschichte so normal so viele andere Geschichten des Heranwachsens.

Was hat Florian zu dem gemacht, was er heute ist? Man weiß es nicht und kann es nur ergründen. Niemand nimmt ihn an der Hand und führt ihn durch die Welt, zeigt ihm alle Geheimnisse. Er muss sie selbst ergründen und scheitert doch so oft daran. Und obwohl so vieles dagegen spricht, gibt er trotz allem nicht auf. Vielleicht auch nur, weil er sich einer Sache definitiv bewusst ist: Florian Berg ist sterblich.


Janko_Marklein_liest_aus__Florian_Berg_ist_sterblich__-_YouTubeJanko Marklein

geboren 1988 in Bremen
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Weitere Werke:

  • Dies ist sein Debütroman

Kennt ihr das, wenn man ein Buch liest, rasch, in nur wenigen Tagen, und es lässt einen doch etwas ernüchtert zurück? Weil die Geschichte zwar toll zu lesen war, aber die große Überraschung ausblieb? Eine Wendung nicht eingeplant war? Ein großes Finale nur ein großes Wunschdenken des Lesers war? Markleins Debütroman war ein solches Buch. Die Geschichte von Florian Berg ist unterhaltsam, spannend, die Kinder- und Jugendjahre so bekannt und doch mitreißend. Die zwei Semester als junger Erwachsener so verrückt – aber die große Freude über das Buch entstand bis zur letzten Seite nicht.

Seit ich es zu Ende gelesen habe, sind nun ein paar Tage vergangen. Und auch wenn weder Überraschung, Wendung noch großes Finale zu finden waren, scheint „Florian Berg ist sterblich“ nur etwas Zeit zu brauchen, um sich im Kopf des Leser zu entfalten. Weil die Geschichte vielleicht gerade deshalb so authentisch (verrückt, aber authentisch!) ist. Weil da eben keine literarische Wendung eingebaut wurde, um die Geschichte spannender zu machen, bzw. um Bergs Leben spannender werden zu lassen. Das ist das Leben von Florian Berg. Das ist die Geschichte. Und doch: Der Cliffhanger am Ende des Buches, bzw. die Nichtauflösung der großen Geschichte, es ärgert einen. Aber vielleicht ist auch hier das Leben der beste Beispielgeber: Manchmal weiß man einfach nicht, was daraus wird.

Line sagte: „Ich weiß, dass ich das eigentlich nicht sagen muss. Ich möchte es aber trotzdem sagen. Ich finde, es ist gut zwischen uns. Und ich glaube, ich liebe dich, Florian Berg.“ Florian kaute langsam, betrachtete dabei Lines Gesicht. Ihre roten Wangen. Ihr Kinn. Den Leberfleck. Ihre Stirn. Ihre buschigen Augenbrauen. Wieder ihr Kinn. Den Leberfleck.

„Florian Berg ist sterblich“ ist nicht der größte Thriller oder der Mindfuck-Roman par excellence. Das Buch ist schon gar nicht wirklich besonders, und vielleicht macht genau das es aus. Zwei Handlungsstränke, zwei Epochen aus Bergs Leben, manchmal so dröge und langweilig, dass man richtig angenervt ist, aber doch stets irgendwie greifbar. Und selbst jetzt, Tage nach Beendigung des Buches, bin ich mir noch nicht ganz sicher, was genau ich von diesem Buch halten soll. Oder vom Leben an sich. (Gut gemacht, Herr Marklein!)

Janko Marklein

Florian Berg ist sterblich

Blumenbar / Aufbau Verlag

Preis: 20 Euro (Hardcover), 15,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)

336 Seiten

 

 

Transparenz: Ich bedanke mich beim Blumenbar Verlag/Aufbau Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplares.

Veröffentlicht in Literaturheld

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