#NaNoWriMo 2013

Ich habe lange überlegt, hab mit mir gehadert, habe die Idee verworfen und dann kam der erste November. Zur Info: Im „National Novel Writing Month“ soll man innerhalb von 30 Tagen 50.000 Wörter schreiben. Also ein ganzes „novel“, also eine umfangreiche Geschichte. Drei Mal bin ich bereits daran gescheitert. Hier mein Tagebuch – gesammelt in den letzten dreißig Tagen.

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1. November

Auf Facebook, auf Twitter, in meiner Mailbox: Überall schrieben sie vom National Novel Writing Month. Ich wollte eigentlich darauf verzichten, in diesem Jahr. Weil ich mir vorgenommen habe, mir eine weitere Enttäuschung zu ersparen. Es ist zermürbend, wenn man, wie ich schon vor ein oder zwei Jahren, bereits bei 20.000 Worten steht, dann die Zeit zu knapp ist und man uneinholbar zurückliegt. Das wollte ich mir nicht mehr antun und auch nicht „Volle Distanz. Näher zu dir“. Aber irgendwie packte es mich dann trotzdem. Die Chance, mein Herzensprojekt innerhalb eines Monats (nach über fünfeinhalb Jahren Träumerei) zu einem Ende zu bringen, vor allem, weil ein erneuter Neustart gewagt wurde, war zu verlockend. Entgegen meiner Planung habe ich die Kapitel von 40 auf 30 verkürzt und pro Kapitel rund 1.700 Wörter veranschlagt. Diese Wortanzahl x dreißig ergibt jene 50.000 (sowie zusätzlich 1.000), die man bräuchte. Und: Ich weiß, dass nach diesen 50.000 Zeichen das Buch nicht fertig ist. Es wurde zwar von Anfang bis zum Ende, bis zum allerletzten Punkt geschrieben, aber es ist nicht fertig. Es existiert, aber da gehört noch viel Arbeit rein. Auf diese Arbeit freue ich mich schon sehr.

Die ersten Worte sind schwierig. Eigentlich wäre das erste Kapitel wieder bereit zu einem Ende zu kommen und dabei stehe ich gerade erst bei einem Drittel. • Die Dialoge haben eingesetzt, Emily und Noah haben sich kennengelernt. Und entgegen all meiner bisherigen ersten Kapitel erfahren sich auch beide gleich ihren Namen.  • 1704 Wörter. Das erste Kapitel, den Anfang von Noah, habe ich fertig. Morgen beginnt das Ende von Emily. Sehr schön!

2. November

Stress, Stress, Stress. Uff, irgendwie muss ich das zweite Kapitel noch unterbringen. Es ist schon etwas Freude im Spiel, wenn man gestern erst den Anfang und heute schon mit dem Ende fortsetzen kann. Aber – das macht es nämlich schwierig – darf das Abschlusskapitel nur sehr wenig vorgreifen, nur Anspielungen machen, weil die Ereignisse bei Emily ja rückwärts (also in den kommenden Schreibtagen) passieren, bei Noah erst eher am Ende vom NaNoWriMo. Alles, was ich jetzt schreibe, hat massive Auswirkungen auf beide Handlungsstränge. Es muss also alles gut überlegt sein.

Es ist mitten in der Nacht. Die neuwal-Klausur hat mir wichtige Stunden genommen, die ich für meinen Erfolg beim NaNoWriMo brauchen würde. Um halb eins oder ein Uhr früh höre ich schließlich auf. Über 1.000 Worte sind es geworden. Nicht schlecht, weil 700 Worte davon innerhalb einer Stunde entstanden sind.

3. November

Statt der eigentlichen 1.700 Worte stehen heute 2.400 auf dem Programm. Außerdem gibt es da noch Besuch, weitere ToDos in meiner Liste für den Blog und sogar auch noch Aufgaben für einen Job, für welchen ich Geld bekomme. Aber: Die Show muss weitergehen. Ich will nicht wegen einiger Kleinigkeiten, die mir Schwierigkeiten bereiten, schon wieder aufgeben. Vielleicht schreibe ich auch heute wieder bis spät in die Nacht hinein. Und vielleicht geht es aber dann auch so einfach von der Hand, dass es eine Leichtigkeit wird, das gestrige und das heutige Kapitel in Windeseile fertig zu stellen.

Gestern, auf der Rückfahrt nach St. Pölten habe ich Dieter, meinem neuwal-Freund zum ersten Mal von Volle Distanz. Näher zu dir erzählt. Ihm hat die Idee und auch der Erzählrhythmus unglaublich gut gefallen. Und als ich so darüber sprach, fiel mir auf, wie wundervoll der Titel des Buches gerade dazu passt. Der Anfang Noahs und das Ende Emilys zeigt die volle Distanz, in der Mitte des Buches rücken sie näher zu dir. Und Noahs Ende sowie Emilys Anfang am Ende des Buches zeigt sie wieder in der Distanz. Eigentlich genial. An diese Form habe ich 2008 nicht gedacht, als die Idee erstmals aufgekommen ist. Da hab ich einfach nur zwei Songtitel verbunden – Volle Distanz von Kettcar und Näher zu dir von Tocotronic.

17 Uhr und gerade erst das Soll des gestrigen Tages erledigt. Trotzdem stolz.

24 Minuten vor Mitternacht. 2.458 Worte sind es geworden. Ich bin somit wieder auf dem Stand, auf dem man am Ende des dritten Tages sein sollte. Und das dritte Kapitel ist auch wieder sehr gut geworden. Die Geschichte entwickelt sich richtig und morgen darf dann auch Emily wieder mehr zum Ausgang der Geschichte sagen und sich weiter auf den Weg Richtung Anfang machen.

4. November

Das wird ein unglaublich langer Blogbeitrag, glaube ich. Also, wo war ich stehen geblieben: Gestern Nacht habe ich wieder den Stand erreicht, der alles wieder leichter macht. Somit standen für diesen Montag die üblichen 1.700 Worte an, sogar ein kleines bisschen weniger, weil ich gestern etwas übers Ziel hinausgeschossen bin. Emilys zweites Kapitel, das Vorletzte im umgedrehten Erzählmodus. Und diese 1.700 Worte habe ich, obwohl ich erst um Acht oder halb Neun Uhr nachts begonnen habe, jetzt, um 22 Uhr 16 bereits abgeschlossen. Ein gutes, gutes, gutes Gefühl. Es läuft gerade. Die Reduziertheit der Kapitel auf 30, die Verpackung der Geschichte in 2 Mal 15 Kapiteln, je 15 für Noah und für Emily, beschützen mich davor, mich in irgendwelche Erzählungen zu verlaufen. Die Geschichte geht weiter, etwas rasant, aber spannend. Alles ist gut, hach.

5. November

Heute geht es schon früh los. Diesen Tag verbringe ich zuhause, muss zwar auch mal ein paar Stunden damit verbingen, Dinge zu fabrizieren, wofür ich sogar Geld bekomme, aber ansonsten steht mir ungefähr der halbe Tag für 1.700 Worte zur Verfügung. Und falls alles heute ganz locker von der Hand geht, schreibe ich das Buch einfach gleich fertig. Aber dieser Tagesmodus – ein Kapitel an dem einen Tag, das nächste am anderen – hilft der Geschichte ungeheim. Zwar gibt es für die ganze Geschichte schon Handlungen, aber wie genau ich das Kapitel dann aufbaue, dass wächst in meinem Kopf von Tag zu Tag neu heran.

6. November

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt die ist … produktiv. Über 2.600 Worte innerhalb kürzester Zeit. Sehr schön.

7. November

Das Nötigste erledigt – die restlichen 700 Worte für das siebte Kapitel habe ich brav und rechtzeitig erledigt. Und während des Schreibens wird die Geschichte immer runder. Es macht Spaß, in diese Welt einzutauchen, die Geschichte ist mitreißend. Ich bin zufrieden, wie alles verläuft.

8. November

Siebenundzwanzig Prozent des Buches sind fertig. Ich bin froh und stolz, es soweit geschafft zu haben und habe nicht vor, es dieses Mal aufzugeben.

14. November

Soeben exisitieren 50,02 Prozent von Volle Distanz. Näher zu dir. Und aufgrund eines Schreibflusses vor einigen Tagen bin ich jetzt stets ein Kapitel vorne. Und vielleicht wird das auch immer noch mehr und der 30. November ist bereits wieder ein Tag, an dem ich genüsslich ausschlafen kann und mir um nichts Sorgen machen muss. Was ist passiert: Der Mittelpunkt ist schlussendlich erreicht, jetzt kommt die Wende, für Noah bewegt man sich auf das Ende zu, Emily schreitet zurück zum Anfang. Es ist spannend, all das mitzuerleben und es ist lustig, wie die Geschichte in meiner Vorstellung abläuft. Ich kenne den Zug, die Sitze, das Abteil, das Bordrestaurant, die Welt, die draußen an den Fenstern vorbeizieht. Ich kann sagen: Ich schaffe das. Und ich bin glücklich, dass ich den #NaNoWriMo 2013 doch noch in Angriff genommen habe. (Aber: Mal sehen wie die zweite Hälfte des Monats verläuft.)

15. November

Noch immer bin ich einen Tag im Vorsprung. Und es ist ein bemerkenswertes Gefühl, die Hälfte eines Buches bereits geschrieben zu haben. Jetzt könnte ich, hätte ich keine anderen Verpflichtungen, zwei, drei Tage durch vor dem Computer sitzen und die Geschichte zu Ende bringen. Einfach so. Aber wofür wären dann die verbleibenden 15 Tage? Eben.

16. November

Obwohl ich heute eigentlich einmal ausschlafen wollte, bin ich trotzdem ab 10 Uhr wieder vorm Computer gesessen, mit dem Wunsch, mit in kürzester Zeit 1.700 Worte aus dem Ärmel zu schütteln. Jetzt ist es 19 Uhr 36. Ich habe es geschafft. Alles ist gut, Kapitel 17 ist fertig (Wuhu, immer noch ein Kapitel Vorsprung!)

18. November

Fast 31.000 Worte, über 60% des gesamten Buches sind geschafft. Der Vorsprung ist immer noch vorhanden und es geht auch wieder etwas leichter, zu schreiben.

Es ist nach 21 Uhr. Das Kapitel Nummer 19 ist fertig. Und mir ist heute zum ersten Mal bewusst geworden, dass das Buch nicht so endet, wie ich es eigentlich gedacht hatte. Dass nicht Noah mit seinem Ende-Artikel den Punkt hinter den letzten Satz setzt, sondern Emily mit ihrem Anfangs-Artikel. Und dann ist mir bewusst geworden, dass deshalb meine Pläne für das letzte Kapitel unglaublich groß werden müssen. Spannend, wie sich all das so entwickelt.

20. November

Rund Siebzig Hundertstel meines Buches sind fertig. Das Ende nähert sich. Morgen erscheint dann auch wieder die seit zwei Wochen regelmäßige #maulheld-Kolumne über den weiteren Fortschritt und über die Hoffnungen und Träume, die dieses Buch geweckt hat. Es ist schön, dass es so gut läuft. Ich bin glücklich, immer noch im Vorsprung und habe heuer keine Lust, aufzugeben. Scheitern, das gibt es für mich dieses eine Mal ganz einfach nicht.

25. November

Offenbar lügt mich mein Fortschrittstabelle an. Stehe ich da noch bei rund 45.500 Wörtern, zählt NaNoWriMo bereits über 46.000 Wörter. Mir solls recht sein. Drei Kapitel fehlen mir noch und ich bin bereits müde, ausgelaugt und werde Luftsprünge machen, sobald ich die drei Kapitel hinter mich gebracht habe. Am Montag habe ich übrigens weit vorgelegt: drei Kapitel an einem Tag. Deshalb ja auch der Vorsprung.

26. November

Es ist 23 Uhr 9. Soeben habe ich zum ersten Mal die unglaubliche Challenge geschafft, 50.000 Worte in nur einem Monat zu schreiben – und November zählt ja eindeutig auch nicht zu den stressbefreitesten Monate. Volle Distanz. Näher zu dir zählt 50.279 Wörter. Der letzte Punkt ist gesetzt, das letzte Kapitel, das mir so viel Kopfzerbrechen bereitete, ist geschrieben. Das war es. Ich hätte noch 4 Tage Zeit gehabt und kann mich nun entspannen. Oder mir Gedanken für den Harder Literaturwettbewerb machen. Oder ausschlafen. Oder glücklich sein. Danke fürs nachträgliche Dabeisein, fürs Durchkämpfen, fürs Mitfreuen.

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30. November

Vier Tage danach, schon wieder in andere Arbeit vertieft, bin ich stolz. Stolz, 50.000 Worte innerhalb von 26 Tagen geschrieben zu haben. Endlich einmal eine Version meiner Geschichte vom Anfang bis zum Ende niedergeschrieben habe. Seit dem 26. November habe ich nicht mehr reingesehen, brauche Abstand von der Geschichte. Das ist wahrscheinlich auch gut so. Aber ich klopfe mir auf die Schulter und freue mich.

 

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