sinnsense • Wortheld mit Gefühl

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Wer bist du und wenn ja, warum?

Guten Tag, Matthias mein Name. Ich bin vor allem eins, nämlich ein leidenschaftlicher Träumer.

Ich bin einer von den Menschen, die nicht nur denken, bevor sie handeln, sondern auch denken, während sie handeln und manchmal leider auch denken, statt zu handeln. Was zwar sehr persönlichkeitsfördernd ist, aber nicht immer besonders gesellschaftstauglich. Deshalb das Träumen.

Ich bin ein Suchender und manchmal Findender. Um den großen John Green zu zitieren: „I go to seek a Great Perhaps.“ Ich bin auf der Suche nach dem Leben und dem Glück. Und auf dem Weg dorthin versuche ich, die eine oder andere Schatzkarte zu hinterlassen.

Und wie viel davon steckt in deinen Texten?

Meine Texte sind voll von mir. Es sind ja meine Worte. Jeder Charakter ist ein Teil von mir, jedes Problem und jedes Glück in diesen Worten stellt irgendeinen Aspekt meines Lebens dar. Allerdings muss man mich, zumindest im Falle der Kurzgeschichten, denke ich, schon ziemlich gut kennen, um diese Persönlichkeitsstückchen eindeutig identifizieren zu können. Es ist mir aber nicht erst einmal passiert, dass ich eine Geschichte auf dem Blog veröffentlicht habe und ich eine Viertelstunde später die eine oder andere fragende SMS von Freunden bekam.

Wir schreiben über das, was wir kennen, über unser Leben. Anders funktioniert es, denke ich, nicht. Spätestens, wenn ein Text fertig ist, ist der Inhalt ein Teil von mir. Meine Texte formen mich mit, während ich sie forme, vielleicht finden auch andere beim Lesen ein stückweit Halt darin.

Seit wann und warum schreibst du eigentlich?

Im Prinzip, seit es mir technisch möglich war. Ich habe mir schon immer Welten erdacht, die mir schlichtweg besser gefielen, als die reale. Das hat im Kleinkindalter, beim gegenseitigen Gute-Nacht-Geschichten-Erzählen begonnen und hat bis heute nicht aufgehört. Als man mir dann im Volkschulalter das Phänomen Buch nähergebracht hatte und ich Harry Potter in die Hände bekam, war mein Schicksal als lebenslang begeisterter Leser besiegelt. Von diesem Moment an, wollte ich wohl meine Welten auch so zu Papier bringen, ihnen durch das Aufschreiben Substanz und vielleicht Leben verleihen. Ich setze der Geschichte also ein Problem vor, und schreibe auf eine Lösung dieses Konflikts zu.

Ich schreibe demnach, um mich in der Welt zurechtzufinden, würde ich sagen. Ich schreibe, um die vielen Grenzen, die ich mir unbewusst stecke, zu überwinden.

Was macht dich sprachlos?

Menschen. Weil sie zumeist keiner narrativen Logik folgen, wie es Charaktere in Geschichten tun würden. Menschen sind unberechenbar. Für jemanden, der den Großteil dessen, was er über das Leben weiß, aus Büchern hat, kann das manches Mal sehr überraschend sein.

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Wo befindet sich dein kreativster Ort?

Das ist eine schwierige Frage. Mein produktivster Ort ist der außergewöhnlichste. Als ich nach meiner Matura ein paar Tage alleine in Venedig verbracht habe, schrieb ich dort ein halbes Theaterstück. Die Qualität dessen sei jetzt einmal dahingestellt, aber am quantitativ besten schreibe ich, wie Foucault sagen würde, in der Heterotopie, an Plätzen, die mich aus meinem alltäglichen Trott reißen. Allerdings habe ich vor kurzem einen neuen Schreibtisch bekommen, der diese Aufgabe momentan auch ausgezeichnet erfüllt.

Kreativ im Sinne von „gute Ideen haben“ kann ich überall sein. Da kommt es mir vielmehr auf einen inneren „Ort“, wenn man will Seelenzustand, an.

Wer oder was inspiriert dich?

Vorrangig sind meine Texte von meinen Sorgen und Ängsten inspiriert, ich schreibe mich praktisch von diesen Problemen und Gedanken los. Das Schreiben ist für mich ein Prozess der Selbstfindung, des Sich-Wehrens und wird es immer sein. Deswegen inspirieren mich Leute, die Wege finden, mit sich zu leben, ohne sich dabei komplett aufgeben und neu erfinden zu müssen.

Wie viele Entwürfe verstecken sich in deinem Blog?

Recht viele, um die zwanzig. Das hängt einerseits mit meinem recht langwierigen Schreibprozess zusammen, auf den ich ja weiter unten noch eingehen werde, andererseits habe ich auch frühere Fassungen von mittlerweile veröffentlichen Texten gespeichert. Allerdings entstehen die meisten trotzdem auf Papier, vielmehr Entwürfe finden sich daher in diversen Notizbüchern.

Bist du kreativer, wenn du glücklich oder wenn du traurig bist?

Das hält sich ziemlich die Waage, es ist eine andere Kreativität. Prinzipiell bin ich am kreativsten, wenn ich von einem Gedanken, einer Idee oder oft einem schon ausformulierten Satz begeistert bin.

Was ist dein ganz persönlicher, selbst geschriebener Herzenstext?

Das ist schwierig.

Da wäre „Segel setzen“, meine erste in gedruckter Form zu lesende Geschichte, weil sie das filigranste und persönlichste, aber gleichsam auch das abstrakteste ist, was ich bis jetzt geschrieben habe.

„Schloss und Schlüssel“ ist mir ans Herz gewachsen, weil ich mit dem Text gewachsen bin.

Schlussendlich ist mir „Lieber da“, meine letzte Kurzgeschichte, unheimlich wichtig, da sie einen entscheidenden Teil meiner Persönlichkeit behandelt.

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Welche drei literarischen Blogger möchtest du empfehlen?

Nachdem ja schon einige meiner Lieblingsschreiberlinge empfohlen – und interviewt – wurden, möchte ich hier auf drei bisher ungenannte Blogs hinweisen, bitte aber natürlich alle, gleich, Ashs Interview zu verschlingen.

wortrauschen.wordpress.com – Weil er mit seinen Worten genau das macht, was ich gerne tun würde. Und dabei kommt Großartiges heraus!

wunder.schoenaberselten.com/ – Weil ihre Texte daran erinnern, warum man eigentlich leben sollte.

kleinwahnsinn.wordpress.com/ – Weil! Beste Freundin, ehrlichste Worte, verrückteste Ideen, kompromissloseste Umsetzung.

Was schreibst du lieber – Geschichten oder Gedichte?

Obwohl ich in letzter Zeit relativ viel dichte, sehe ich meine Zukunft stärker in narrativen Texten, ob das jetzt Kurzgeschichten, Romane oder Theaterstücke sind, wird sich weisen. Ich fühle mich in solchen handlungsgetriebenen Texten persönlich einfach wohler, weil sie festere Fundamente für meine Kopfwelten bieten. Gerade plane ich mit Mirjam von kleinwahnsinn einen Theatertext, den wir möglichst bald auf die Bretter bringen wollen. Aber das eine oder andere Gedicht kommt mir bestimmt immer wieder über die Finger.

Ashley meinte ja, sie wisse, „wie viel Arbeit er in jeden einzelnen Text steckt und wie viel Gedanken er sich um jedes Wort macht.“ – Wie lange sitzt du durchschnittlich an einem einzigen Text?

Ja, dafür möchte ich mich an dieser Stelle gleich nochmal bedanken.

Die Sache ist die: Worte sind alles für mich. Deshalb sitze ich oft stundenlang über einem Satz und überlege, ob dieses eine Wort auch wirklich da hingehört. Da kommt es auch manchmal vor, dass ich eben nur ein Wort am Tag schreibe. Dafür passt das dann.

Die Idee für „Lieber da“ hatte ich Mitte August während einem Barcelona-Aufenthalts. Bei der Heimreise, wusste ich ziemlich genau, wohin ich damit wollte, samt Struktur und Handlung. Fertig zur Veröffentlichung war der Text dann wenige Tage vor Weihnachten. Das ist so der ungefähre Zeitraum, den meine Geschichten plus minus brauchen. Die losen Prosatexte, die immer wieder auf meinem Blog auftauchen, sind da etwas weniger zeitintensiv, bleiben aber dafür oft lange liegen.
Bei Gedichten muss ich schneller arbeiten, weil es mir da vor allem auf den Rhythmus ankommt, der mir bei allzu langer Zeit wohl verloren gehen würde. Die sind also meistens in ein oder zwei Tagen abgeschlossen, wobei es da natürlich wie auch in den anderen Texten Ausnahmen gibt.

Möchtest du irgendwann einmal ein Buch schreiben? Oder schreibst du gar schon daran?

Ja, will ich und tue ich mehr oder weniger auch schon.

Ich habe gerade das „Buch“, an dem ich mehr als ein Jahr gearbeitet habe, zur Seite gelegt. Es kam nicht über zwanzig Seiten hinaus, aber ich bin zuversichtlich, es zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufzugreifen.

Momentan entwickle ich gerade das Konzept für eine längere Erzählung (vielleicht kann man es sogar mal einen Roman schimpfen), die allerdings noch in den Kinderschuhen steckt. Ich hoffe, bis Sommer mit den vorbereitenden Dingen soweit im Reinen zu sein, mit dem richtigen Schreiben zu beginnen. Allerdings will ich zuerst einmal meinen Protagonisten besser kennenlernen.

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