Jugend ohne Gott • Ödön von Horváth

Ein Lehrer, für den auch Neger Menschen sind. Eine Klasse, die von dem sie umgebenden konformistischen Gedankengut begeistert ist. Und ein Mord.

Die Zeiten stehen wieder auf Krieg. Die ganze Klasse soll einige Tage im Wald verbringen, um für ihn gewappnet zu sein. Denn bereits im Alter von 13 oder 14 Jahren soll der Umgang mit der Waffe bereits gelernt sein. Denn sollte der Krieg kommen, würde man keine Zeit mehr zum Üben haben.

Der Lehrer, der mit seiner Klasse auf solche Tage im Wald fahren muss, sieht darin eine Möglichkeit, wieder etwas Kontakt herzustellen zwischen ihm und der Klasse. Sie haben ihn verstoßen, wollten ihn beseitigen, als er ihnen erklärte, dass Neger auch Menschen seien, gleich mit ihnen selbst. Und doch verzweifelt er am scheinbaren moralischen Verfall der Jugend. Die Tage vergehen, Dinge passieren und N., einer seiner Schüler, stirbt. Und es ist nicht nur die Moral der Jugend, die nun besonders befragt wird.

Ödön von Horváth
geboren 1901 in Rijeka, Kroation, gestorben 1938 in Paris, Frankreich

Weitere Werke:

  • Glaube Liebe Hoffnung
  • Ein Kind unserer Zeit

Es ist bereits das zweite Mal, dass ich Ödön von Horváths Meisterwerk gelesen habe. Jugend ohne Gott ist eine spannende Geschichte, die fast schon prophetisch den immer stärker werdenden Verfall der Moral während des Nationalsozialismus vorzeichnet. Und neben der scheinbaren Verrohung der Jugend zeigt es auch die Schwierigkeit auf, als Lehrer das Richtige zu tun. Soll man den Negern das Menschsein absprechen und die Arbeit an der Schule behalten oder die Wahrheit verbreiten, das, woran man glaubt, auch wenn man dabei den Job verlieren würde? Wie weit darf ein Lehrer überhaupt gehen? Wann ist es Zeit aufzustehen? Wie entsteht Gewissen?

Die Zeit, in der ich an keinen Gott glaubte, ist vorbei. Heute glaube ich an ihn. Aber ich mag ihn nicht.

Fast zehn Jahre sind vergangen zwischen meiner ersten und dieser vorerst letzten Lektüre von Jugend ohne Gott. Immer wieder begeistert es mich, wie sehr er bereits in die nahe Zukunft blicken konnte – wobei das Buch „Ein Kind unserer Zeit“ dabei noch großartiger ist. Er schafft es, diese Zwiespälte aufzuzeigen und spürbar zu machen, über die wir heutzutage gerne reden – aber nie wissen können, wie wir selbst zu dieser Zeit reagiert hätten.

Ödön von Horváth

Jugend ohne Gott

dtv/suhrkamp/…

Preis: 7,90 Euro oder 5,00 Euro (Taschenbuch), 0 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)

223 Seiten

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