Liebe Buchleserinnen und Buchleser! Das Ende naht (glücklicherweise). Herzlichst, Ihre Kaiserliche Administration.

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Damals, in einer gar nicht so fernen Zukunft, hat sich vieles verändert: Europa ist nunmehr ein Kaiserliches Imperium (mit Sitz in Brüssel), die Gründerväter dieses Imperiums und die 5% der reichsten Bewohner bezeichnen sich als Adel und Bücher hat man schließlich zu selbstbestimmten Wesen gemacht. Einer dieser so genannten Biblioiden sitzt regelmäßig in einer Bücherbar, trinkt ein Bier nach dem anderen und legt sich – bei erhöhtem Alkoholkonsum mit Kochbüchern und Lebensratgebern an. Bis ihn Lukas, ein Mensch und langjähriger Informatikstudent, vor einer üblen Schlägerei schützt und er verkatert in Lukas‘ Wohnung aufwacht.

Von nun an gibt es die beiden nur mehr im Doppelpack: Sie sind es, die die „Schriftzeichenschutz-Schutzrichtlinie“ verhindern wollen. Denn – um alles zu kommerzialisieren, soll es damit möglich sein, einzelne Buchstaben „schützen“ zu lassen – und jeder, der sie verwendet, ist dann genötigt, dem Rechteinhaber die Nutzung zu vergüten. Und so machen sie sich zu einer spannenden und wendungsreichen Mission auf -deren größtes Ziel nichts anderes ist, als das Buch, wie wir es kennen, zu retten. Doch dabei haben sie es mit immer mehr Gegner zu tun, unter ihnen Androiden, Bomben oder gar Torwächter.

Rafael Buchegger
twittert als @RafaelBuchegger und bloggt
Blogbeitrag zum Buch

Weiteres Werk:

  • Irren mit Hausverstand – Warum scheinbar einfache Lösungen und Alltagsregeln falsche Ratgeber sind

Rafael Buchegger hat mit seinem eBook „Der Bibloid“ ein wahrlich überraschendes Werk geschaffen. Seine Zukunftsvision wird derart großartig dargestellt, dass meine Fantasie schon von Beginn an versuchte, sich „vermenschlichte“, biertrinkende Bücher vorzustellen. Der Autor schafft es zugleich, neben der eigentlich sehr, sehr lustigen Geschichte an vielen Stellen zum Nachdenken anregende Kritik zu implementieren. Am möglichen Fernsehen der Zukunft, an den Tageszeitungen, dem Verhalten des „Pöbels“, dem ganzen politischen System, in welchem der Biblioid und Lukas leben … und auch an der Überwachung. Vielleicht interpretiere ich da zu viel hinein, aber genau dafür sind Bücher, wie der Autor selbst schreibt, ja geschaffen.

Der humorvolle Biblioid, der diese Geschichte im Gespräch mit einem Verlagschef ausplaudert (und damit eigentlich nur für die Veröffentlichung seiner Geschichte wirbt) und der „räudige“ Lukas, der in manchen Dingen so unglaublich naiv scheint – sie beide sind ein großartiges Team, das man rasch (sobald man sich mit der Idee von Büchern als selbstbestimmte Wesen angefreundet hat) ins Herz schließt. So surreal die Geschichte auch anmutet, sie regt einen überraschend stark zum Nachdenken an.

„Reines Bücherwissen ist ein trauriges Wissen. Wenn wir ehrlich sind, gereicht es zum Schmucke, nicht aber zur Erkenntnis. Wir Bücher wissen wohl, dass sich die Menschen nur mit uns abgeben, weil es ihnen an erquicklicheren Freuden mangelt, und doch machen wir ihnen ein nettes Gesicht.“

Rafael Bucheggers Der Biblioid ist sozusagen das erste Buch, das mich 2015 so richtig überrascht hat. Diese fantasievolle Aneinanderreihung verrückter Ereignisse unterhält bis zur letzten Seite – man rutscht regelrecht in diese Wirklichkeit hinein, die ja bekanntlich unserer vermeintlichen Wirklichkeit gar nicht so fern sein soll. Kurz gesagt: Das Buch ist für jede Buchliebhaberin und jeden Buchliebhaber eigentlich ein kleines Muss! Das liegt aber vielleicht auch nur daran, dass ich im innersten Inneren meines Herzens wohl ein pyknischer Seemann zwischen 56 und 63 mit Diabetes Typ 1 bin – also aus genau jener Zielgruppe, die dieses Buch ansprechen soll.

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Rafael Buchegger

Der Biblioid

Eigenverlag

Preis: 2,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
180 Seiten (geschätzt)

 

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