Du tust mir nicht gut.

Dutustmirnichtgut

„Du tust mir nicht gut.“, sagt er und schafft es nicht, ihr dabei auch nur annähernd in die Augen zu blicken. Doch er spürt, dass sie schmunzelt, spürt, dass sie es nicht versteht und wiederholt es, „Du tust mir einfach nicht gut.“ Er schüttelt den Kopf, etwas hilflos, maßlos unverstanden.

„Ich erkenne mich nicht wieder, wenn du da bist, wenn du bei mir bist. Ich bin ein völlig anderer Mensch, verstehst du? Du bringst das Schlechte in mir hervor, verstehst du nicht? So oft wie ich versucht habe, die Welt durch deine Augen zu sehen, so oft habe ich so viel Dunkles wahrnehmen müssen. Ich will das nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Und ich weiß nicht. Ich weiß es nicht, was es ist, ich weiß nicht, was los ist. Es ist einfach so. Ich kann es dir nicht wirklich besser erklären, aber dieser Mensch, der ich bin oder geworden bin, der macht mir Angst, verstehst du? Das bin ich nicht und das will ich nicht sein und doch schaffe ich es nicht, anders zu sein. So wie ich sein möchte. Nicht mit dir. Du tust mir nicht gut.“

„Aber … liebst du mich nicht?“, fragt sie und nun muss er schmunzeln.

„Ja, verdammt, das ist es ja. Ich liebe dich, trotz allem, keine Ahnung warum, ich liebe dich so verdammt viel, und ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, was da mit meinem Herz falsch läuft, wo doch mein Verstand längst die Flucht als einzigen Ausweg ins Visier genommen hat. Ja, verdammt, ich liebe dich und ich weiß nicht, wie ich da wieder rauskomme. Ich will dich nicht verlieren, aber ich kann nicht mit dir. Es ist verdammt kompliziert, verstehst du? Es ist nichts, worauf man rasch reagieren kann, deshalb zerbreche ich mir auch schon seit Wochen den Kopf, liege Nachts wach, kann kaum noch schlafen, ja, verdammt. Ich weiß es nicht.

„Und diese Liebe willst du aufgeben?“, fragt sie.

„Das ist es ja. Kann ich das überhaupt? Kann ich aufhören, dich zu lieben? Will ich es? Ja, oder … nein. Siehst du, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, was ich will und ich weiß nicht, wohin wir uns bewegen und das macht mir Angst. Irgendetwas stimmt doch nicht, nicht wahr? Irgendetwas passt da ganz und gar nicht. Hilf mir, bitte. Hilf mir, es zu verstehen, hilf mir zu verstehen, warum du mir nicht gut tust. Hilf mir zu verstehen, warum ich mich so elend und beschissen fühle, und dich doch liebe und nicht mehr weiter weiß und nicht mehr, nicht mehr ich bin, so wie ich sein möchte, so wie ich war, oder so wie ich mich unter normalen Umständen entwickelt hätte. Hilf mir dabei, es zu verstehen, ich bitte dich.“

„Und wie kann ich das tun?“, fragt sie.

„Ich hoffte, du könntest es mir sagen. Ich hoffte, du hättest die Antworten parat, auf deren Suche ich beinahe verrückt geworden bin. Ich hoffte, du wüsstest den Ausweg, die Lösung, die Wahrheit. Ich liebe dich so verdammt stark und doch weiß ich auch, dass du mir nicht gut tust. Es tut mir nicht gut, dich zu lieben und doch weiß ich auch, dass ich es nicht aufhören will. Komm. Sag schon. Sag, dass ich verrückt bin, aber ich bin es nicht. Sag, dass ich mich irre, aber ich irre mich nicht. Nicht diesmal. Dieses Mal nicht.“

„Du irrst dich.“, sagt sie.

„Ist denn die Liebe zu stark? Oder zu schwach? Bin ich eventuell zu abhängig von dir, bin ich zu sehr du geworden, ohne mich weiterzuentwickeln? Bin ich verloren in einem Dilemma der Selbstauflösung? Ich liebe dich und es verstört mich, dass du, ja, gerade du, gerade du, diese Frau meines Lebens, dass gerade du das in mir hervorholst. Dass mit dir nicht alle Wege so viel einfacher zu finden und zu bestreiten sind, sondern die Welt plötzlich düster wird. Ich verstehe es nicht und will es doch nur verstehen. Will dich lieben und mich dazu. Will zurück oder nach vorne, aber ich kann und will nicht hier bleiben.“

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Kevin Krejci

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