Wir sind schon fast da.

„All my bags are packed, I’m ready to go“, singe ich leise vor mir hin. Meine Beifahrerin schläft und auch ich plage mich mit der Müdigkeit. Stunden sind wir schon unterwegs, die Autobahn ist hinter uns und vor uns nur kilometerlange Landstraßen, eingezäunt von meterhohen Bäumen. Ich kenne den Weg nicht wirklich, die Richtung müsste stimmen, aber das ist egal. Irgendwo werden wir schon ankommen. Lächelnd blicke ich zu ihr, wie sie, mit einem Polster im Genick eine Gemütlichkeit hervorzaubert, die in einem Auto nur sehr schwer zu erreichen ist. „I’m standing here, outside your door“ Ein ‚Lass uns fortfahren‘ war der Anfang, und mehr war da auch nicht. Nur der Wunsch, wegzukommen, einmal abzuschalten, nicht mehr da zu sein. Die Sachen waren schnell gepackt, sicherlich haben wir Dutzende Sachen vergessen, aber das ist uns egal. Wir sind weg, suchen den Ausweg, suchen die Erlösung in Form vollkommener Einöde. „I hate to wake you up and say goodbye.“ Der Wald wird grüner, der Himmel blauer, die zahlreichen Berge beeindruckender. Manchmal geht es nicht anders und man muss einfach nur weg, da bleibt keine Zeit, es noch jemanden zu sagen, man fährt einfach los, fährt ohne wirkliches Ziel und ist doch glücklicher als je zuvor. Weil alles was anders ist, frische Wunder in sich birgt. Sie wacht auf, etwas zerknittert und fragt: ‚Sind wir schon da.‘ – ‚Fast‘, sage ich und bin mir ganz sicher. ‚Wir sind schon fast da.‘ Irgendwo im Nirgendwo, an einem unbekanntem Ort, kurz vor dem Ziel. Aber innerlich schon längst da, wo ich sein möchte.

Bildquelle: Hietaparta / Pixabay

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