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Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte • Romain Puértolas

Der ungewöhnliche Roadtrip eines Fakirs quer durch die nördliche Hemisphäre.

Der Fakir Ayarajmushee Dikku Pradash fliegt extra nach Frankreich, damit er sich bei IKEA ein neues Nagelbett kaufen möchte. Sein ganzes Dorf hat Geld gesammelt, damit er diese Reise antreten kann. Doch in Wahrheit hat er sein Dorf, seine Familie, eigentlich die ganze Welt bisher stets belogen. Das sollte sich schließlich rächen: der Taxifahrer, der ihn vom Flughafen zum weitestentfernten IKEA fuhr, und den Ayarajmushee gekonnt übers Ohr haute, lässt das nicht auf sich sitzen. Und der eigentlich geschlossene IKEA, in dem er nächtigte, wird für in genau dieser Nacht für die kommende Möbelsaison umgestaltet. Und so versteckt sich der Fakir in einem Schrank, wird eingepackt und verschippt. Damit beginnt seine Reise erst so wirklich.

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Romain Puértolas
geboren 1975 in Montpellier, Frankreich

Weitere Werke:

  • Le jour où Shakespeare a inventé le moonwalk (noch nicht auf Deutsch erschienen)

 

Alleine der Titel klingt schon sehr ähnlich wie der Titel von Jonas Jonassons Bestseller „Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Und in gewisser Weise sind die Geschichten auch nicht unähnlich. Skurrile Begegnungen, überraschende Wendungen und eine Reise nach England, Frankreich, Spanien und Libyen lassen Gemeinsamkeiten aufscheinen. Was dieses Buch vom „Hundertjährigen“ unterscheidet, so finde ich, ist das Politische und auch das gezielt Moralische. Das passiert nicht oberlehrerhaft, sondern betont locker und lustig, fesselt einen aber gekonnt an die Lektüre.

Es ist eine schöne Geschichte, manchmal zu konstruiert und leider wird auch die anfangs witzige Idee, die indischen Namen in deutsche Wörter zu übersetzen, spätestens nach dem dritten Namen etwas langweilig. Aber nachdem mich das Buch derart gefesselt hat, dass ich es an einem sonnigen Strandnachmittag in einem Zug ausgelesen habe, scheint die Geschichte wahrhaft gelungen zu sein. Was mir dabei stets durch den Kopf schoss, nachdem ich die Verfilmung des „Hundertjährigen“ vor einigen Wochen im Kino sah, war die Überlegungen, dass die Geschichte audiovisuell wohl auch lustig (und vielleicht auch lustiger als der meiner Meinung nach nur mittelmäßige „Hundertjährige“) werden würde.

Dann sah man, wie der Dieb wieder aus seinem Versteck kam, sich in der Küche ein Tablett fertig machte und in einem Muster-Wohnzimmer vor einem toten Fernseher zu Abend aß. Danach zog er die Schuhe aus, legte sich aufs Sofa und las Zeitung. Ganz wie zu Hause.

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte ist eine locker geschriebene, anfangs etwas zähe aber dann mitreißende Geschichte eines Betrügers, der von der Welt um in herum eines besseren belehrt wird. Vor allem die Begegnung mit Sophie Marceau ist hinreißend und auch die Geschichte der sudanesischen Flüchtlinge bringt ein bisschen Ernsthaftigkeit in die Geschichte. Für Fans vom „Hundertjährigen“ definitiv eine Empfehlung.

ReiseFakir

Romain Puértolas

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte

S. Fischer

Preis: 17,50 Euro (Hardcover), 14,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
300 Seiten

Veröffentlicht in Literaturheld

Ein Kommentar

  1. […] intensiver und ernsthafter mit dem Thema Flucht auseinandersetzt als das fiktionale Buch „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte“ (wo Flüchtlinge ja auch ein Thema sind). Lesenswert, berührend, sprachlich recht locker […]

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