Regen.

Regen

Sie haben Hochwasser gemeldet. Also nein. Zuerst einfach nur Regen, tagelang. Bis der Boden sich genügend daran ergötzt hatte. Dann haben sie auf Hochwasser umgestellt. Im Fernsehen trägt die Flut bereits ihre ersten Opfer zur Schau. „Geht es dir gut?“ tippe ich in mein Telefon. Ich hasse diesen Moment. Diese Zeitspanne zwischen dem Senden der SMS und dem Warten auf eine Antwort. Diese Ungewissheit. Es geht mir nicht gut.

Die Stille in diesem Zimmer zerrt an meinem Gemüt. Manchmal summe ich einfach wild drauf los, will sie loswerden, will diesen Raum mit Leben füllen, doch es gelingt mir nicht. Vor dem Fenster stürmt es, der Wind lässt Äste ganz sanft gegen das Glas trommeln. Die Welt da draußen will mich gerade nicht haben und ich habe keinen Lust, mich auch nur ansatzweise mit ihr zu beschäftigen.

In den TV-Nachrichten berichten sie über das „Sauwetter“ und ich frage mich, ob es wirklich notwendig ist, jede kleine oder große Veränderung des unveränderbaren Wetters zu kommentieren. Tatsachen sind so irrelevenat. So what … dann regnet es eben jetzt. Es kommen wieder sonnige Tage, und auch der Sommer. Ja, der Sommer wird kommen. Es wird doch wieder sonniger, nicht wahr? Das muss es einfach werden.

„Alles gut, ja. Dir?“ Endlich eine Antwort.

Es ist wieder einmal diese Zeit, wo plötzlich alles anders zu werden scheint und ich noch nicht bereit dafür bin. Wo ich einfach verdammt große Angst habe, Schiss, auch nur einen unbedachten Schritt zu wagen. Von mir aus könnte es noch wochenlang regnen, sofern ich hier in diesem Zimmer, auf dieser Couch, in diesem Bett bleiben könnte. Ich würde mich verstecken, würde warten, bis alles aussichtslos ist und all die Möglichkeiten bereits vergeben. Schon man ganzes Leben war ich nie gut darin, zu überraschen. Am Wenigsten schaffte ich das bei mir selbst.

Wer hat noch mal gesagt, dass Erwachsenwerden so unglaublich toll sein wird? Wer war nochmal dieses verdammte Arschloch? Dieser sadistische Lügner? Wo ist die helfende Hand, wo die Unterstützung von jenen, die bereits daran gescheitert sind? „Mir auch, danke.“, antworte ich. Und selbst wenn es eine Lüge ist, weil ich am Liebsten gerade nicht in meinem Körper stecken möchte, ist es okay. Jener Weltschmerz, den ich in Momenten wie diesen zu tragen scheine, wird irgendwann verschwinden und zur unnötigsten Zeit wieder auftauchen. Und vielleicht ist das die Aufgabe des Erwachsenwerdens: mal für mal besser mit diesem Schmerz, mit dieser Angst, mit dieser Ungewissheit umgehen zu lernen.

Bildquelle: Attribution Some rights reserved by Велислав

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