Say it’s possible

Soulescaping

Er atmet sehr schwer. Die letzten paar hundert Meter ist er gelaufen, schneller als er wollte und wohl auch schneller, als ihn seine Beine tragen wollten. Er ringt nach Atem, blickt sich um und bleibt ratlos. Was war da nur? Was um alles in der Welt befand sich so plötzlich hinter ihm, dass nur mehr Laufen als Ausweg half?

Sein Herz pocht in seinen Ohren, ein paar Schweißperlen suchen sich den Weg von der Stirn hinab. Niemand ist hier außer ihm, niemand steht neben ihm, niemand sieht ihn. Vollkommene Einsamkeit an diesem verlassenen Ort. Immer noch huscht etwas um ihn herum, vielleicht nur eine Brise, vielleicht aber auch. „Wo warst du?“

Ein stiller Schrei, ein entsetzter Blick, als er sich umwendet, voller Angst, fast zu Boden fällt und sie ihn doch noch am Arm festhält. „Was … was ist los?“ Er versucht wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen, setzt beinahe schon ein Lächeln auf, als es ganz einfach nur sie ist und er keine Ahnung mehr hat, wie er eigentlich hierhergekommen ist. „Ich … ich weiß es nicht.“

Sie nimmt ihn in den Arm, „Ich bin ja da.“ und er lässt sich fallen. Was war da nur? Was hatte ihn nur so laufen lassen? Wovor hatte er Angst? Wer hatte es auf ihn abgesehen? Er zittert, bei all diesen Gedanken und schüttelt verzweifelt den Kopf, damit sie nicht Überhand nehmen, diese Gedanken, dieser Irrsinn. „Es war vollkommen ruhig, weißt du. Und dann plötzlich, als würde ich ausgesaugt werden. Als wäre da plötzlich noch etwas, und ich hab mich umgesehen und da war nichts. Aber ich habe es doch gespürt. Ich habe gespürt, dass da noch etwas ist, und ich war plötzlich voller Angst. Und dann bin ich gelaufen.“

„Und da war wirklich niemand?“ – „Ich habe zumindest niemanden gesehen. Es war um mich herum vollkommen still, nur die Lichter der Straße und die Dunkelheit der Nacht. Und dann war ich einen Moment unachtsam, und da war es. Da war es plötzlich, hat mich umhüllt und ging nicht mehr weg. War mir zu nah, da musste ich einfach flüchten. Was mag das nur gewesen sein?“

„Vielleicht war es der Mut, der dich verlassen hat. Und du hast das gespürt. Du hast es gefühlt, dass da plötzlich etwas fehlt. Und ohne Mut kommt Angst. Ach nein, selbst mit Mut kommt Angst.“ – „Also glaubst du, da war niemand?“ – „Naja, fast. Es war schon etwas da, aber kein Mensch, kein Tier, sondern ein Teil von dir. Verstehst du?“ Er versteht, und doch ist ihm all das unverständlich. Was war der Grund, was war da nur geschehen. Er versucht sich zu erinnern, worüber er zuvor nachdachte. Und ja, er hat dabei an sein Leben gedacht, an seine Pläne, an die Suche nach dem Glück. An seine Hoffnungen und seine Freunde. An seine großen Ideen. Und da hat ihn der Mut verlassen? Kann man das nicht als schlechtes Zeichen werten?

„Du darfst deinen Mut nicht verlieren.“, sagt sie. Er lächelt. Das hatte er auch nicht vorgehabt und doch ist es offenbar wirklich passiert. „Du schaffst das. Du schaffst alles.“ Und sie kommt zu ihm her, umarmt ihn ein weiteres Mal und er flüstert ihr ins Ohr: „Sag bitte, dass es möglich ist.“ – „Für dich“, setzt sie an, atmet tief ein und wieder aus, „für dich ist alles möglich.“

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