Leinsee • Anne Reinecke

Ada und August Stiegenhauer sind die gefeierten Altmeister der deutschen Kunstszene. Ihr Talent wird nur von ihrer Liebe übertrumpft, doch dabei blieb keine für ihren Sohn Karl übrig. Doch der macht sich nach Jahren wieder auf den Weg zu ihnen, weil der Vater tot ist und die Mutter im Sterben liegt.

Die meisten Artikel ähnelten sich. Tragisch stand da immer wieder. Karl konzentrierte sich auf die Bilder. Schwarzweißfotos, meistens Paaraufnahmen von August und Ada.

Sein Vater erhängte sich in ihrem Anwesen am Leinsee, als seine Mutter sich einer schwerwiegenden Operation unterzog, deren positiver Ausgang eher unwahrscheinlich war. Er war sich sicher: Ada und August, August und Ada, die beiden darf es nur im Doppelpack geben. Nur dass sein Abschied endgültig, der seiner Frau aber noch hinausgezögert wurde. Doch genau diese Umstände brachten Karl dazu, selber wieder einmal Schritte in die für ihn so fremde Welt, in das Atelier und das Haus selbst zu wagen. Seine Eltern waren gefeierte Künstler, gut gealterte Giganten der Szene, doch Karl war von früh weg nicht wirklich mehr ein Teil davon. Er hat sich davon entfernt, als die ihm auferlegte Entfernung viel zu groß wurde.

Obwohl er nur wenige Tage bleiben wollte – das Begräbnis des Vaters organisieren und sich im angemessenen Ausmaß um das Wohlergehen der Mutter kümmern – kommt er irgendwie nicht mehr los. Setzt dabei fast seine eigene künstlerische Karriere, die ganz ohne dem Namen Stiegenhauer auskam, aufs Spiel und noch dazu seine Beziehung. Aber es ist das Haus, es ist der See und es ist Tanja, das achtjährige Mädchen, das plötzlich in seinem Garten stand. Mit ihr würde er sich anfreunden, sie würde ihn zum Lachen bringen und sie würde dabei zu einer Konstante werden, die ihn immer an Leinsee denken und ihn dabei immer wieder zurückkehren lässt.


Anne Reinecke

Foto: Alberto Venzago / © Diogenes Verlag

geboren 1978, hat Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur studiert und für verschiedene Theater-, Film- und Ausstellungsprojekte sowie als Stadtführerin gearbeitet. ›Leinsee‹ ist ihr erster Roman. Für das Manuskript wurde sie mit einem Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Berlin. (Quelle: diogenes.ch)

„Leinsee“ ist Reineckes Debütroman.


Als ich durch den Frhliingskatalog des Diogenes Verlags blätterte, viel mir dieses Buch gleich auf: Die kurze Beschreibung und der Hinweis, dass es sich dabei um einen Debütroman handelte reichte aus. Innerhalb weniger Tage habe ich dann schließlich das Buch verschlungen und dabei Karl auf seinem Weg begleitet.

Ohne zu viel zu verraten: Karl ist schon ein komischer Typ. Und Kapitel für Kapitel erfährt man auch, was für seine Entwicklung verantwortlich war. Er nutzt das leere Leinsee-Anwesen dazu, noch einmal erwachsen zu werden, noch einmal ganz vieles zu durchleben. So kann das große Feuer im Garten, kurz nach seiner Ankunft, als eine Art Neuanfang, als Geburt von etwas Neuem verstanden werden. Karls Erleben, Karls Eigenarten und seine Freuden haben mich beim Lesen berührt. Überhaupt ist Reineckes Sprache eine sehr behutsame, schöne und wie schon gesagt sehr fesselnde – wie ein Sog wirkte die Einladung nach Leinsee um Karl beim Erwachsenwerden zuzusehen. (Übrigens: Einen Ort oder See namens Leinsee gibt es laut Google Maps nicht, das Titelbild ist somit nur ein Symbolbild)


In den Medien:

In Blogs besprochen:


„… Natürlich hat der Name geholfen. Aber das ist doch egal. Letztendlich ist es doch egal. Alle. Sind. Begeistert. Die finden dich gut. Du musst das nutzten.“

Einen Scheiß musste er.

Ein Debütroman, dem man nicht abkauft, dass er ein Debüt sein soll? Ja, so fühlt sich Leinsee definitiv an. Anne Reinecke hat hier wirklich etwas sehr Großes vergelegt. Zwar braucht es etwas, bis man die Schrulligkeiten von Karl zu verstehen beginnt, aber ab da lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Über mehrere Jahre begleitet man den jungen Stiegenhauer und kommt dabei Karl sehr nahe. Und selbst wann man etwas Abstand bräuchte, alleinlassen will man Karl auf gar keinen Fall. Somit ist Leinsee ein durch und durch gelungenes Werk, das ich jeden, auch nicht kunst-affinen Menschen, ans Herz legen möchte.


Leinsee

Anne Reinecke

Diogenes

Preis Hardcover:  24,70 Euro in AT, 24 Euro in DE, 35,90 sFr in der CH
Preis eBook: 20,99 Euro in AT und DE, 27 sFr in der CH
Preis Hörbuch: 16,95 Euro in AT und DE, 23,90 sFr in der CH

368 Seiten
ISBN: 978-3-257-07014-9

Leseprobe

 


Transparenz: Mir wurde auf Anfrage ein kostenloses eBook-Rezensionsexemplar vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt.

 

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