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Weiße Nacht • David Schalko

Wenn Politiker das Blaue vom Himmel versprechen, die Menschen verzaubern, sie fesseln. Auf in den Endless Summer.

Thomas hat ihn erst kennengelernt. Und spürt die Verbindung, die die beiden miteinander teilen. Er wird sein Ziehsohn, wird in den Bann gezogen, sie wie die ganze Bevölkerung, wird Teil des Großen, wird Teil des Ganzen. Die Welt schaut auf sie und bringt sie dazu, nach immer größeren Taten zu streben. Er ist zu allem bereit, ist willig und hoffnungsvoll. Und alles nur wegen ihm. Immer an seiner Seite, immer auch ein Teil von ihm. Weil er da ist, immer und für alle. Entbehrt sich, so gut es eben geht. Stellt sich selbst hintan. Gemeinsam erreichen sie es, gemeinsam werden sie es schaffen. Doch dann fällt die Sonne vom Himmel und alles scheint verloren.

David Schalko
geboren 1973 in Waidhofen an der Thaya / Österreich

Weitere Werke:

  • Wir lassen uns gehen
  • KNOI

Das Buch, veröffentlicht im September 2009, hat es wohl nur deshalb so stark in die Medien geschafft, weil ein Politiker sich darin wiedererkannt hat. Stefan Petzner, einer der Buberlpartei Jörg Haiders, hat geklagt, hat verloren und hat dem Buch damit zu einer Aufmerksamkeit verholfen, die es so wohl nicht bekommen hätte. Das Buch ist … anders. Voll mit Metaphern, voll aber auch mit Anspielungen auf das Kärnten, wie wir es nach dem Tod des Landeshauptmanns Jörg Haider mitbekommen haben. Diese Massenhysterie nach dem Unfall, dieses Anhalten an einen Populisten, der so vieles versprach und nur wenig halten konnte. Mitunter sind diese Bilder auch schwer zu entziffern, aber alles in allem ist es doch ein gelungenes Buch, das sich ganz anders der Liebe zum Populisten annähert, als man es sich vielleicht zuvor vorgestellt hat.

Immer wieder wurde der Text wiederholt. So lang bis der Raum von unserer Wärme völlig durchflutet war. Man konnte die bedingungslose Kameradschaft spüren. Wir waren die Glut, die diesen Wald zum Brennen brachte. Wir waren der Wind, der einen Sturm entfachte. Wir waren die Flut, die alles hinwegschwemmte. Wir waren wir. Und die anderen die anderen.

Eine Erzählung, in der um Politik geht? Ein Märchen, dass sich mit Populismus und Wahnvorstellungen spielt? David Schalko, dem Allroundtalent, ist es gelungen, ein Jahr nach dem Tod Jörg Haiders diesen Wahnsinn (anders kann man es wohl kaum nennen) zu verschriftlichen. Nicht immer so leicht zu lesen, aber alles in allem durch und durch lesenswert.

David Schalko

Weiße Nacht

Czernin Verlag

Preis: 16,90 Euro (Taschenbuch), 9,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
134 Seiten

Bildquelle: „David Schalko Nestroy 2013“ by Manfred Werner – TsuiOwn work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

Veröffentlicht in Literaturheld

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