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Chucks • Cornelia Travnicek

Über das Erwachsenwerden, das Hinauswachsen, das Heranwachsen. Über rote Schuhe. Und über das Sterben.

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Mae hat sie bereits überstanden, die Pubertät. Steht auf der Stufe zum Erwachsenwerden bereits einen Schritt weiter oben und blickt zurück. Auf Tamara, „ihren Punk“, mit der sie Nächte draußen in Wien verbracht hat, Bier getrunken und Haus besetzt. Auf ihre Eltern, die auseinandergebrochen sind, als … ja, als Sebastian damals an Krebs gestorben ist. Und sein Zimmer nie wieder aufgemacht wurde, die Ehe ihrer Eltern ein Ende nahm und Mae nur diese roten Chucks ihrers Bruders blieben. Auf Jakob, der so furchtbar pingelig ist, ein Architekt, ihr Ex-Freund und auf Paul, den sie bei ihrem Sozialdienst in der Aids-Hilfe Wien kennengelernt hat. Mae hat Sebastian verloren, ihre Eltern in gewisser Weise auch, irgendwie auch Tamara. Und auch Paul hat ein verdammtes Ablaufdatum. Ein Wettlauf gegen den Tod und das Verschwinden.

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Cornelia Travnicek
geboren 1987 in St. Pölten

Weitere Werke:

Chucks war mir schon seit dem Erscheinen ein Begriff. Gekauft habe ich es aber erst 2013 oder ’14, gelesen erst in diesem neuen jungen Jahr. Travnicek hat ein anfangs etwas verwirrendes Buch geschrieben, welches nach und nach zu einem fesselnden, berührenden, sehr sanften literarischen Werk wird. Verwirrend deshalb, weil sie in ihren Kapiteln zwischen Krankenhauszeit bei Sebastian, Straßenzeit bei Tamara, Wohnzeit bei Jakob, Arbeitszeit bei der Aids-Hilfe und schließlich Berührungszeit bei Paul wechselt. Wenn man sich aber erst einmal daran gewöhnt hat, saugt einen dieser Stil noch stärker in die Geschichte hinein.


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Ich habe mich für das MFG-Magazin mit Cornelia Travnicek zu einem Interview getroffen. Gesprochen haben wir über die beiden Bücher und über das Schreiben an sich. Nachzulesen auf dasmfg.at.

Und auch mit Mae selbst habe ich mir anfangs nicht so leicht getan. Vor allem diese rebellische Attitüde, die sich bei ihr entwickelt, wirkt aufgesetzt und in Wahrheit ist sie das wohl auch, nach all den Erfahrungen, welche sie in so jungen Jahren machen musste. Mehr und mehr wuchs sie mir aber doch ans Herz und ich erkannte vieles von mir in dieser jungen, humorvollen und manchmal rotzigen Person.

Tamara war asozial, so würden das die meisten Leute wohl nennen. Keinen Job, kein Geld, Familie vielleicht, darüber sprach sie nicht. Keine Ausweise, kein Alter, manchmal eine Schlägerei.

Chucks erzählt das bisherige Leben von Mae. Aber es hat definitiv auch eine „zeitdiagnostische Kraft“, wie Der Standard in seiner Rezension schrieb. Man findet sich darin, selbst wenn man sich dagegen sträuben möchte. Verlieren, verschwinden, versterben, all das nervt gewaltig und Cornelia Travnicek zeigt das in locker-leichter und doch poetischer Sprache. Sehr empfehlenswert!

Chucks von Cornelia Travnicek

Cornelia Travnicek

Chucks

DVA

Preis: 8,99 Euro (Taschenbuch), 7,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
198 Seiten

Autorenbild: „Cornelia Travnicek 2“ von Lydia Gschosmann – by mail. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons.

Veröffentlicht in Literaturheld

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