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Frühling der Barbaren • Jonas Lüscher

Wenn die Skrupellosigkeit hinter den sündhaftteuren Sakkos hervorblitzt, kann der Frühling ja endlich beginnen.

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Preising, ein reicher Fabrikserbe, erzählt von seinem Aufenthalt in einem tunesischen Oasenresort. Wo er eigentlich neue Zulieferer kennenlernen wollte und nur ganz zufällig Teil einer Hochzeitsgesellschaft wurde. Da sind sie, die jungen Reichen, die Finanzheinis, die durch riskante Finanzwetten mit Unmengen an Geld jonglieren. Sie haben das Geld, zeigen es, und geben es auch aus. Was kostet schon die Welt?

Verdammt viel. Vor allem, wenn England den Staatsbankrott ausrufen muss, weil die Arbeitgeber dieser jungen Reichen sich zu sehr verspekuliert haben. Und die unzähligen bereits aufgestellten Dominosteine nur mehr auf den Anstoß warteten. Die Krise ist endlich angekommen. Bei denen, die sie von Anfang an verursacht haben.

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Jonas Lüscher
geboren in 1976 in Zürich, Schweiz, wohnhaft in München

Weitere Werke:

Frühling der Barbaren ist sein Erstlingswerk.

Krisenliteratur ist ja normalerweise nicht so sexy. Meistens setzen sich dann Ökonomen hin, suchen ein altes, verschollenes Notizzettelchen, um dann zu sagen: Tja, das habe ich ja damals schon gesagt. Lüscher ist kein Ökonom, sondern ein Philosoph, und zeichnet mit seinem Debütwerk eine besondere Atmosphäre. Allein schon durch die Auswahl seiner Protagonisten: Preising, der überall dabei, aber nirgendwo wirklich involviert war. Der namenlose Zuhörer, der Rätsel um Preisings Verbleib aufgibt, die Nouveaux Riches, die er nicht selbstverliebter, dekadenter (und damit realitätsnäher) hätte machen können.

Lüscher gelingt es, die Geschichte langsam aufzubauen. Vier Fünftel des Buches dauert es, bis der Höhepunkt einherbricht, bis der Himmel rotgefärbt ist, bis der Frühling endlich Einkehr hat. Und für die imposanten Beschreibungen der Vorgänge im letzten Fünftel sieht man auch darüber hinweg, dass Preising manchmal zu sehr vom eigentlichen Erzählstrang abweicht. Und selbst nach der Lektüre ist man sich nicht sicher, warum dieser Preising all das erzählt?

Im Folgenden führten zwei ebenso zufällige wie läppische Ereignisse zu einer Gemengelage, die in einer Katastrophe aus Feuer und Blut kulminierte.

Frühling der Barbaren ist ein eindrucksvolles Buch geworden. Ähnlich wie Nullzeit wirkt auch dieses Buch noch einige Tage nach, weil man so manches verstehen will, was der Autor wohl offensichtlich unverständlich lassen wollte.

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Jonas Lüscher

Frühling der Barbaren

C.H. Beck

Preis: 14,95 Euro (Hardcover), 11,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
125 Seiten

Autorenbild: „JonasLuescher P1030036“ von Don ManfredoEigenes Werk. Lizenziert unter GFDL über Wikimedia Commons.

Veröffentlicht in Literaturheld

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