Judd Foxman verliert seine Frau, sein Haus, seinen Job … und zu allem Überdruss auch noch seinen Vater. Und findet doch schließlich näher zu sich selbst als er jemals war. 

Wenn jemand stirbt, wird zwangsläufig getrauert. Der jüdische Brauch Schiv’a hat die Trauerzeit aber streng reglementiert: Sieben Tage lang kommt die Familie zusammen, alle Spiegel werden verdeckt, man sitzt auf niedrigen Stühlen und alle Freunde, Verwandten oder Unbekannten kommen tagein, tagaus ins Haus um ihr Beileid zu bekunden. Judd wusste bis zum Tod seines Vaters gar nicht, dass dieser sich so für die Bräuche des Judentums interessiert hatte. Und so sammeln sich in seinem Elternhaus seine zwei Brüder und seine Schwester, inklusive Partnerinnen und Partner, sowie bereits vorhandenen Kindern. Dass er seine Frau beim Sex mit seinem Chef erwischt hat, dass er seither fast in einem Loch haust und irgendwie den Weg nicht mehr hinausfindet, für all das hätte er nun genug Zeit, darüber nachzudenken. Wären da nicht seine Geschwister, seine Mutter und all die Gäste, die gar nicht erst versuchen, ihn auch nur ansatzweise in Ruhe zu lassen.

Jonathan Tropper

Jonathan Tropper
geboren in 1970 in New York City, USA

Weitere Werke:

Es gibt zwei Gründe, warum „This Is Where I Leave You“ auf meinem Kindle gelandet ist: Erstens war schon „Mein fast perfektes Leben“ ein sehr nettes Buch und zweitens hat mich Ashley mit ihrer Bitte um einen Gastbeitrag mit einem Zitat aus dem Buch konfrontiert. Und, was soll man sagen: Es ist eine actionreiche Familiengeschichte. Manchmal unglaublich komisch (Entflammte Hoden sind immer ein Schmunzeln wert!), manchmal todtraurig, manchmal auch einfach nur verstörend. Und aufgrund der unzähligen Charaktere ist das Buch leider manchmal auch ein kleines bisschen zu verwirrend und die Erinnerungen nur mehr schwer den einzelnen Personen zuordenbar. Deshalb werde ich mir wohl auch den Film (Start: 25.9.2014) ansehen müssen, um dann endlich Gesichter zu all den Namen zu haben.

Ich mag es, wenn dem Tod ein kleines bisschen der Schrecken genommen wird. Oder wenn zwar erinnert wird, auf sehr persönliche Art und Weise, aber nicht in allzu dramatischer Form, sondern als Folge des Gefängnisses, in welchem man gemeinsam mit seinen Geschwistern und seiner Mutter gefangen ist, für ganze sieben Tage. Tropper hat schon einmal bewiesen, dass Todesfälle bei ihm einfach dazugehören, aber dieses Werk ist definitiv noch um einiges besser geworden als „Mein fast perfektes Leben“.

She steps over to me and puts her arms on my shoulders. It’s been forever since I’ve been touched, since I’ve even had any sustained eye contact, and I can see my tears reflected in her eyes. „You’re going to be okay, Judd. I know you feel lost now, but you won’t feel this way for long.“

Herrn Tropper gelingt es, diese etwas (sehr) verrückte Familie Foxman so charmant zu beschreiben, dass man sich rasch als ein Teil von ihnen fühlt. Mit ihnen gemeinsam Shiv’a sitzt, mit ihnen streitet und lacht. Und einfach mal aus dem Haus stürmt und nächtliche Anrufe tätigt. Und ins eigene Haus einsteigt, dass einem nie fremder war. Die geballte Form von Familienchaos ist zwar etwas herausfordernd, auch für den Leser, aber gerade deshalb ist die Geschichte von „This Is Where I Leave You“ (auf Deutsch: „Sieben verdammt lange Tage“) so fesselnd. Weil Familie nun mal eben so ist. Und der Tod sowieso.

Thisiswhereileaveyou

Jonathan Tropper

This is where I leave you

Plume/Orion

Preis 7,40 Euro (Taschenbuch), 5,99 Euro (eBook) (Info zu Partnerlinks)
400 Seiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.