#25 • Zurück zum Anfang

In den kommenden Monaten werde ich mich wieder einmal an mein Romanmanuskript setzen. Nicht, um es an Verlage zu schicken, sondern um mit ihm noch einmal von vorne zu beginnen.


Es war ein komisches Gefühl: Da hatte ich nach all den Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit, Passagen aus dem eigenen Romanmanuskript vor Dutzenden Menschen vorzulesen – und dann fiel es mir viel zu schwer, Lieblingsabsätze auszumachen. Versteht mich  bitte nicht falsch: Volle Distanz. Näher zu dir ist ein Wunderwerk der Literatur. Ich habe da vor fast fünf Jahren eine Liebesgeschichte in einen Zug und ein verworrenes Zeitkorsett gefüllt und der dabei entstandene Roman war richtig, richtig gut. Aber die Betonung liegt hier auf der Vergangenheitsform: Das Buch hat auch heute noch seine Wirkung, die Sprache war damals natürlich schon gut, aber seit 2013 habe ich mich schließlich doch etwas weiterentwickelt. Vielleicht weniger menschlich, aber doch in meinem Sprachstil, meinem Umgang mit Worten und Nichtworten und der Gewissheit, dass jedes Kapitel für sich herausragend sein muss.

Deswegen beginne ich noch einmal von vorne: Volle Distanz. Näher zu dir wird neu geschrieben.

LangzeitleserInnen werden sich jetzt wahrscheinlich denken: Ey, Dominik! Leg doch mal dieses Buch beiseite, vielleicht ist es ja auch gar nicht so gut. Vielleicht solltest du was Neues machen oder überhaupt mit dem Schreiben aufhören. Darauf kann ich nur antworten: Es geht einfach nicht. Nicht das Weglegen, nicht das Etwas-Neues-Machen und natürlich auch nicht, vollkommen mit dem literarischen Schreiben aufzuhören. (Aber ganz ehrlich: Wer will das denn bitte?!)

Die vergangenen Jahre war ich dieser Hybrid und dachte mir, dass diese Mischung aus Journalismus und Literatur perfekt nebeneinander existieren kann. Jetzt im Nachhinein kann ich aber sagen: Je stärker man den Fokus auf das eine legt, desto weniger kann man sich um das andere kümmern. Gerade deshalb habe ich 2018 meinen Fokus von Anfang an auf die Literatur gelegt: Spätestens ab Mitte des Jahres möchte ich mit einem Romanmanuskript unter meinem Arm bei allen möglichen Literaturagenturen anklopfen, bei Verlagen vorstellig werden und dabei voll und ganz hinter dem Geschriebenen stehen können. Möchte Lesender bei Lesungen sein und dabei nicht nur kurze Texte, sondern auch mal ein neu geschriebenes Kapitel an echten Menschen austesten. Ich will aufhören, drauf zu hoffen, dass man auf mich aufmerksam wird, sondern das selber in die Hand nehmen.

Wer einen Kalender besitzt oder zumindest weiß, welches Datum heute bereits ist, der erkennt, dass ein Zwölftel des Jahres schon fast wieder vorüber ist. Als in mir die Idee der Neuschreibung entstand (am 31. Oktober 2017), war ich naiv und dachte, dass das ja eh nur wenig Zeit benötigen würde. Seither habe ich kein einziges neues Wort geschrieben. Deshalb habe ich mir nun auch To-Do-Slots in meine freien Tage eingeplant – damit das Schreiben nicht nebenbei, sondern ganz bewusst passiert. Dabei werde ich nicht am Bestehenden herumbasteln, sondern mir Kapitel für Kapitel einzeln vornehmen, es zuerst mehrfach lesen und dabei die essentielle Geschichte herausfiltern, nur um diese dann wieder neu zu verpacken – für 2018.

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