Opfer.

„Und du bist jetzt tot?“ Ich nicke und schüttle gleichzeitig den Kopf. Offenbar kann ich meinen Kopf nur mehr auf diese Weise bewegen. „Und du hast dich erschossen?“ Ich nickschüttle weiter. Versuche erst gar nicht, zu verstehen, was ich gerade gesehen habe. „Aber du warst verschwunden. Diese Wohnung war aufgegeben, die Natur hatte sich alles wiedergeholt“, erinnere ich mich und erzähle es dir sogleich.

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Ich habe mich gesehen, mit einer Waffe, ich habe begriffen, dass meine Wahrnehmung aber in einem ganz anderen Körper war, ich habe nach einem Stück Spiegel gesucht, habe eines gefunden, dann Schuss-Schrei-Hochschrecken. Das Spiegelbild verschwimmt leider, beziehungsweise war es nie richtig scharf. Ich habe meine Erinnerung aber aufgezeichnet, gleich danach, so gut es eben ging.

Was wird sein, wenn ich wieder einschlafe? Ich reibe mir die Augen. Wann habe ich das letzte Mal wirklich gut geschlafen? Mit Träumen und ohne Alb. Wann bin ich vor dieser Nacht das letzte Mal an derselben Stelle aufgewacht, an der ich glaubte, eingeschlafen zu sein? Ich werde verrückt, dessen bin ich mir nun schon bewusst. Anders kann ich es mir nicht erklären. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

„Ich muss gehen.“
– „Aber ich kann doch auf dich Acht geben.“
„Ich würde dir nur schaden.“
– „Das könntest du nie.“
„Ich kann für nichts garantieren. Und das macht mir Angst.“

Ich umarme dich, du küsst mich auf die Wange. Ich gehe in Richtung Tür.

„Finde die Person, die für all das verantwortlich ist!“
– „Vielleicht schaffe ich das.“
„Natürlich schaffst du das. Aber vergiss die Zeichnung nicht.“
– „Achja, das Opfer.“
„Nein, wohl eher du selbst.“

Und obwohl alles so verwirrend klingt, kann ich dir nicht widersprechen. Ich kann dir nur versprechen, dich solange nicht wieder zu sehen, solange mein Zustand andauert. Es ist zu deinem Schutz. Natürlich habe ich Angst. Aber Angst kann man man sehr gut auch alleine haben.

Ich falte den Zettel auf. Ich habe diesen Menschen noch nie gesehen. Aber ich werde ihn bald treffen. Weil es so sein muss, weil diese Geschichte einem roten Faden folgt, den ich nicht verstehe. Aber Dinge treten ein, weil sie es müssen.

Dies ist ein Teil meiner Forsetzungsgeschichte „Untitled Project

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