Springe zum Inhalt →

Eine echt verrückte Story • Ned Vizzini

Ein junger Mensch, mit der Welt überfordert. Über fünf Tage in der Erwachsenenpsychatrie.

Craig Gilner ist gerade erst 15 Jahre alt, aber er ist, wie man so gern sagt, mit der Kraft am Ende. Das Ziel, auf das er lange Zeit hingearbeitet hat, hat sich als große Fall herausgestellt. Die angesehene „Executive Pre-Professional High School“, die ihm dann den Weg auf die besten Colleges ebnen soll, überfordert ihn, er kann kaum mehr essen (und wenn, dann muss er es wieder erbrechen) und oftmals nicht schlafen. Als er beginnt, Selbstmordgedanken auszuformen, scheint sich die Sache zuzuspitzen. Doch bevor er zur Brooklyn Bridge fährt, um sich hinunterzustürzen, ruft er die Suizid-Hotline an.

Dort empfiehlt man ihm, ins Krankenhaus zu gehen. Und das macht Craig dann auch. Er verbringt einige Tage in Six North, einer psychiatrischen Klinik für Erwachsene. Macht Bekanntschaft mit Bobby, Armelio, Noelle und seinem Zimmerkollegen Muqtada. Und erkennt schön langsam das wirklich Wichtige im Leben, erkennt, dass auf jedem Stadtplan eine Abzweigung eingezeichnet ist.

Ned Vizzini
geboren 1981 und gestorben 2013 in New York

Weitere Werke:

  • Teen Angst? Naaah …
  • Be More Chill

 

Ned Vizzini hat selber fünf Tage in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung verbracht, er litt selber jahrelang an Depressionen und beschäftigte sich thematisch auch in seinen anderen Büchern mit dem Thema. Deswegen wirkt das Buch auch sehr nah, sehr persönlich und berührend. Craigs Gedanken, die Überforderung, der Dauerstress – das Thema betrifft uns alle. Denn es wird immer mehr von der Jugend erwartet, auch wenn das viele Erwachsene nicht wahrhaben wollen.

Dass der Autor 2013 schließlich doch den Weg des Suizids gewählt hat, macht das Buch noch besonderer. Denn auch wenn es eventuell pietätlos klingt: Aber Vizzini hat hier über etwas geschrieben, womit er sich auskennt. Depressionen, Antidepressiva, Therapien, Aufenthalte in Psychatrien – all das ist immer noch ein Tabuthema, obwohl es das nicht mehr sein sollte.

2010 ist das Buch übrigens verfilmt worden – direkt nach der Lektüre de Buches hab ich mir den Film gegönnt (z.B. auf Netflix verfügbar). Kurzmeinung dazu: Überraschend ruhiger Film, mit so manch anderen Vorgängen als im Buch. Aber doch sehr sehenswert.

Also sehne ich mich vielleicht nach einer kommunistischen Welt, obwohl es vermutlich noch umfassender wäre als Kommunismus – ich sehen mich nach Einfachheit, nach Reinheit, unkomplizierten Entscheidungen und dem Fehlen von Zwängen.

Eine echt verrückte Story (oder auf Englisch: It’s kind of a funny story) ist ein zum Teil lustiges, zum Teil aber auch viel zu nahes Buch, weshalb das Buch einen mitunter auch verstört. Craig Gilners Geschichte wurde von Vizzini mitreißend erzählt, sie macht einen traurig und glücklich zugleich. Es ist also wirklich eine … naja, echt verrückte Story.

Ned Vizzini

Eine echt verrückte Story (It’s kind of a funny story)

Heyne / Rockbuch

Preis: deutsche Ausgabe – 8,99 Euro (Taschenbuch), 3,99 Euro (eBook), englische Ausgabe – 9,72 Euro (Taschenbuch) (Info zu Partnerlinks)

320 Seiten

Bildquelle: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Ned Vizzini

Veröffentlicht in Literaturheld

Kommentaren

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    %d Bloggern gefällt das: