Gestern Nacht bin ich wieder einmal in einem Traum gestorben.

Traum

Gestern Nacht bin ich wieder einmal in einem Traum gestorben. Bin hochgeschreckt, saß plötzlich aufrecht im Bett, schweißgebadet und orientierungslos. Die Stille der Nacht, das matte Licht der Straßenlaterne, das immer wieder ihren Weg durch das Fenster ins Zimmer findet, mein hektisches Atmen. Ich bin gefallen, von einer Brücke, wurde geworfen oder bin selbst gesprungen. Ich weiß es nicht mehr. Aber es war zu hoch, niemand überlebt einen Fall aus solch hoher Höhe. Minutenlang bin ich gefallen, ganz ruhig, habe nicht mit den Armen gerudet, sondern einfach nur gefallen. Als wäre das meine Bestimmung, als wäre das mein Fall. Dann hört meine Erinnerung daran auf.

Es ist das dritte Mal. Innerhalb der vergangenen vier Wochen bin ich drei Mal gefallen. Drei Mal bin ich gestorben, aufgewacht und wieder eingeschlafen. Drei Mal in drei Wochen zu sterben, das nimmt einen schon etwas mit. Das geht nicht so spurlos an einem vorüber. Aber ich kann nichts dagegen tun. Es hilft nicht, mir vorzunehmen, heute Nacht nicht zu fallen. Die Traumwelt hat ihr Eigenleben. Und die will mich sterben sehen.

Du bekommst von all dem stets nichts mit. Du schläfst tief und fest, ich scheine also im Fallen nicht zu schreiben, sondern das Sinken der Höhenmeter schweigend hinzunehmen. Erst der Aufprall reißt mich heraus, öffnet schmerzvoll meine Augen, lässt einen stummen Schrei entfliehen. Erst wenn ich dich sehe, wie du da seelenruhig schläfst, erst wenn ich dich leise atmen höre, erst da erkenne ich dieses Zimmer wieder, erkenne die Irsinnigkeit des Traums. Erst da lasse ich mich wieder nieder, schließe die Augen und kann mich beruhigen. Deine Nähe zu spüren, und die weiche Matratze unter meinem Körper. Kein Nichts, sondern ein Etwas. Und dann kann ich schlafen, schlafe ein, bekämpfe die abertausenden Gedanken. Bis ich all das wieder vergessen habe. Und Nächte später der Fall von neuem Beginnt.

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Ein Kommentar

  1. Im Traum zu sterben ist beängstigend und beunruhigend. Das kann man in deinem Text gut nachfühlen. Schön, dass dieses „Ich“ jemanden an der Seite hat, der es wieder zur Ruhe kommen lässt.

    Aus der Sicht der Traumdeutung bedeutet der Tod übrigens meistens den Beginn eines neuen Lebensabschnittes, also eine Entwicklung. Hat also auch eine positive Seite.

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