Daniel Spitz • Wortheld April 2016

Ich hole sie vor den Vorhang: Wer sind diese Worthelden, die mich mit ihren literarischen Texten auf ihren Blogs verzaubern? Diesmal hat Daniel Spitz von seavity.de meine zehn Wortheld-Fragen beantwortet.

Wer bist du und wenn ja, warum?

Das ist eine der größten Fragen, die man stellen kann. Ich bin Daniel, wurde 1998 in der wunderschönen Hansestadt Rostock geboren und lebe seit der Kindergartenzeit in München. Ansonsten bin ich Vieles, habe viele Facetten, kann alles für jeden sein, mich manchmal wie Nichts fühlen und all das ohne mich verstellen zu müssen. Warum? Weil ich so Manches erlebt  und eine Menge Bücher heimlich gelesen habe. Außerdem sauge ich alles auf, das mich umgibt: ein Kind, das den Schneefall mit der Zunge auffängt; der alte Mann, der mit Rosen durch die U-Bahn läuft; das Rauschen der Bäume oder des Meeres; ein offenes Buch oder Geheimnis.

Und wie viel davon steckt in deinen Texten?

Alles. Mein gesamtes Fleisch und Blut. Bis zum Hals. Natürlich sind die meisten Geschichten auf meinem Blog Fiktion (Ich habe zum Beispiel keinen Schmetterling umgebracht), aber die Texte sind die Summe von all meinen Eindrücken, Erinnerungen, Gedanken und Träumen. Somit eben meine ganze Persönlichkeit.  

Seit wann und warum schreibst du eigentlich?

Ich schreibe seit 3 Jahren. Begonnen habe ich mit einem Blog der wöchentlich ein Kapitel enthüllte. Es war eine Art Romanprojekt über einen Terroranschlag aus der Perspektive eines Stummen. Ziemlich schnell habe ich diese Art des Schreibens aufgegeben und widme mich seitdem der (sehr) kurzen Prosa. Das Schreiben ist für mich das ultimative Reflektieren und ich liebe es Menschen mit meinen Worten zu faszinieren oder zu berühren. Wenn ich mir die Seele rein geschrieben habe und gleichzeitig noch Erinnerungen, sowie damit verbundene Gefühle bei einem Leser wecken konnte, ist der Zweck meines Schreibens erfüllt.

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(Links Daniel Spitz, Rechts Walter Rohringer)

Was macht dich sprachlos?

Wenn jemand, nachdem er einen Gedanken knallhart ausgedrückt hat, ein paar Sekunden über das Gesagte nachdenkt und den Tränen nahe kommt. Wenn mich jemand mit voller Ehrlichkeit umarmt. Wenn mich die Vergangenheit einholt.

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Wo befindet sich dein kreativster Ort?

Mein kreativster Ort ist mein Bett in der tiefsten Nacht und am Tag Parkbänke.  

Wer oder was inspiriert dich?

Lyrik, Tagebücher und Menschen, die bleiben.

Wie viele Entwürfe verstecken sich in deinem Blog?

Ständig lösche ich Beiträge, füge Sätze hinzu, ersetze Adjektive oder fange von vorne an. Meine Texte sind alle Entwürfe, unheimlich vergänglich und beweglich. 

Bist du kreativer, wenn du glücklich oder wenn du traurig bist?

Ich bin kreativer wenn ich traurig bin, aber versuche immer mehr die Waage zu finden. Jemand hat mir mal gesagt, dass meine Texte von tiefster Traurigkeit durchzogen sind. Mein Vorhaben ist, das zu ändern. Also auch meine Kreativität nicht mehr von meiner Stimmung abhängig zu machen.

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Was ist dein ganz persönlicher, selbst geschriebener Herzenstext?

Der Text „Flowchart“, der im Grunde aus einem anderen Text besteht, weil ich jemanden zitiere der wiederum aus dem gleichnamigen Buch von John Ashbery vorliest. Ich kann mich mit dieser Textstelle sehr gut identifizieren.  

Welche drei literarischen Blogger möchtest du empfehlen?

Katka (katkaesk.com), mit der ich hin und wieder melancholisch Briefe wechsele. Chrischa Oswald (zhartbewegt.tumblr.com), die eine Art Blogging-Vorbild für mich ist.

Und dich, Dominik Leitner. Danke, dass du den Worthelden, mit dieser Kategorie und Projekten wie txt* Bühne bietest. [Anmerkung der Redaktion: Vielen lieben Dank!]

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