Toilette.

Irgendetwas war mit mir geschehen. Seit Tagen, ja, schon seit Wochen konnte ich die meisten Nächte nicht mehr durchschlafen. Ich nicke unabwendbar an den unmöglichsten Orten ein. Während meiner Vorlesungen, in der U-Bahn nach Hause, oder … wie letztes Mal, einfach in einem Bett bei IKEA. Liegekomfort haben sie ja. Das kann ich nun wirklich nicht mehr abstreiten. Ich bin jetzt gerade erst einmal 23 Jahre alt. Und fühle mich matt und lethargisch wie ein 60-Jähriger. Unter „leben“ verstand zumindest ich früher immer etwas anderes. Und langsam stehe ich auf, verlasse die Toilette und gehe zur Haustür. Die Zeitung müsste schon da sein. Und so machte ich mir am Küchentisch nur ganz wenig Licht, stellte mir Kaffee zu und begann die Zeitung, mit müden Augen und meinen Gedanken am anderen Ende der Welt, durchzublättern. Autounfälle, Morde, Gewaltverbrechen. Angst, Terror, Glaubenskrieg. Hochzeit, neues Paar, Klatsch und Tratsch. Die perfekte Mischung für einen guten Start in den Morgen. Ich mache mir, wie jeden Tag eine Liste. Sie sieht so aus …

  • Autounfälle mit Todesfolge 3
  • Autounfälle ohne Todesfolge 6
  • Morde 12
  • Versuchte Morde 3
  • Gewaltverbrechen 18
  • Angst 2
  • Terror 4
  • Glaubenskrieg 5
  • Hochzeit 9
  • neues Paar 17
  • Klatsch und Tratsch 22

Den Zettel nehme ich und lege ihn in die Box, die in meiner Küche auf der Mikrowelle steht. Wieviele habe ich jetzt schon. Hunderte? Tausende? Ich weiß es nicht. Aber manchmal sehe ich nach. Was vor einem Jahr passiert ist. Die Zeitungen werfe ich weg. Was mir bleibt ist der statistische Blick auf das Unwesentliche. Das ist wohl einer meiner Ticks. Ich habe nicht viele. Aber dafür …

Ich leere die Tasse mit einem leeren Blick in Richtung der aufgehenden Sonne, die mich am Fenster begrüßt.

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