If not tomorrow maybe someday.

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Sonntag

„Der Kampf ist noch nicht zu Ende.“ Immer und immer wieder hört man die Wirtschaftsmenschen diese Worte durch das Radio brüllen. Immer und immer wieder. Als wäre es ein Gebet, dass sie sich nur lange genug vorsagen müssen, damit es in Erfüllung geht. In Wahrheit handelt es sich bei ihnen um die letzten Überlebenden einer Spezies, die das Wohl der Masse noch immer nicht verstanden haben. Denn Wirtschaft sei frei und Profit das Ziel, nicht wahr? Menschen schaffen Profit und wenn man sich verkalkuliert, führt eine Verringerung der Menschen wiederum zu etwas mehr Profit. Jahrzehntelang war dies das unzerstörbare Dogma der Wirtschaft und der Politik.

Verstehen Sie es bitte nicht falsch: Durch den sogenannten Kampf wurde die Welt nicht in Trümmern gelegt. Vielmehr wurde die Welt, in der manche Menschen zu leben gedachten, dem Erdboden gleichgemacht. Doch die Straßen sind gesäumt von Menschen, die glücklicher sind, als sie es damals waren. Menschen, die sich wieder einmal frei fühlen können. Familien, die entspannt an den Schaufenstern vorbeiwandern. Es könnte nicht idyllischer sein.

Doch wir haben uns noch von der Wirtschaft und der Politik verabschiedet. (Sie hätten es ja so verstehen können.) Wir haben immer noch Männer und Frauen, die unsere Interessen vertreten, aber es sind andere. Neuere. Die sind mit Herz dabei und sprechen Klartext. Ganz ehrlich: Wir haben schon lange nicht mehr Klartext zu hören bekommen. Und wenn schon, dann wurde uns spätestens nach drei Jahren bewusst, dass all das doch wieder nur eine gut inszenierte Lüge zum richtigen Zeitpunkt war.

Natürlich geht es auch nicht ohne Wirtschaft. Aber sie wurde ganz einfach gezügelt. In Zaum gehalten. Das, was man wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten, damals zur großen Krise, hätte tun sollen. Aber man hat aus den Fehlern nicht gelernt, hat sich regelmäßig des Wortes „alternativlos“ bedient, um die Welt so zu belassen, wie sie die ganze Zeit über war. Und die damals „Geretteten“ sind nun auch die, die den Kampf nicht beenden wollen. Die Mehrheit lacht über sie, aber es gibt immer noch manche, die sich für sie einsetzen. Die wird es immer geben. Aber eine Gesellschaft wie die unsere muss auch solches verkraften.

Wollten die Politiker früher immer unser wirtschaftliches Erfolgsgeheimnis in die ganze Welt hinaustragen, so klopfen heute Menschen aus zahlreichen anderen Ländern an, um unser gesellschaftliches Erfolgsgeheimnis zu imitieren. Wir geben ihnen diesen Rat, und auch wenn anderswo die bestehende Politik und die Wirtschaftsbosse noch alles versuchen, um die ersten Aufstände und Neuwahlen zu verhindern, in Wahrheit sind sie machtlos. Nur wollen sie das bis heute noch nicht wahrhaben. Und deshalb brüllen sie es weiter, um das Dogma am Leben zu erhalten, dass vor Jahren eingestampft worden sind. Aber irgendwann werden auch ihre Stimmen verstummen.

Samstag

In den vergangenen Jahren, seit die Veränderung ihren Anfang genommen hat, haben sich auch die Medien gewandelt. Wissen Sie, es gab damals ja wirklich viel, Schund oder … Boulevard, wie Sie es damals nannten. Doch irgendwann begann sich eine Veränderung in Gang zu setzen. Die Zeitungen, die wenigen, die immer noch gedruckt werden und natürlich die vielen Onlinemedien, sie blühten wieder richtig auf. Vielleicht, weil sich endlich wieder etwas tut und es nicht der ewig gleiche Trott ist, über den es zu berichten gilt. Und auch im audiovisuellen Bereich verschwinden plötzlich immer mehr dieser unsäglichen Programme und an ihrer Stelle kommen Informationssendungen. Und die Menschen saugen diese Infos auch auf.

Manche sprechen bereits von einer neuen Hochkultur, die in unserer Generation ihren Anfang nehmen wird. Ich halte das vorerst noch für übertrieben. Aber war es früher so, dass es noch nie so viele Informationen gab und man alles daran setzte, die Menschen davon fernzuhalten, so stürzt nun auch diese Barriere ein. Die Menschen beschäftigen sich mit der Geschichte, mit Wissen, sie beschäftigen sich mit sich selber und sie beschäftigen sich auch mit der Welt um sie herum.

Die Medienhäuser sind bisher recht zufrieden. Natürlich gibt es auch noch Serien, wie könnte es auch anders sein. Aber auch da setzt sich Qualität mehr und mehr durch. Der Mensch von heute hat Anspruch.

Aber ich schweife ab: Wovon ich Ihnen ja eigentlich erzählen möchte, ist ja etwas ganz anderes. Unsere Gesellschaft hat sich verändert, sie wurde menschlicher. Das klingt natürlich komisch, da die Gesellschaft wohl schon seit dem letzten großen Evolutionsschritt immer aus Menschen, wie wir sie heute kennen, bestanden hat. Aber zuletzt war es so, dass man plötzlich wieder stark zu differenzieren begann. Die Systemverlierer, die Anstrengenden, die Teuren. Und die, die es geschafft haben. Das dass das eine oft auf Kosten der anderen passiert ist, das hat man natürlich ausgeblendet. Man hört ja nicht gerne, dass der eigene Aufstieg nur gelingen konnte, weil man Dutzende Menschen im Hintergrund scheitern ließ.

Ich nenne das gerne einen Evolutionsschritt, der zu dieser Gesellschaft, wie wir sie heute haben, geführt hat. Und ich erkläre es oftmals so: „Wir mussten erst einen oder zwei große Schritte zurückmachen, wir mussten zum Teil sogar wieder zu Tieren werden, bis wir den Sprung nach vorne schafften. Weiter, als wir jemals waren.“ Wir lassen niemanden mehr zurück, verstehen Sie?

Das ist vielleicht unser Geheimrezept. Wir geben jedem die Möglichkeit, wir geben jedem die Chance, etwas zu schaffen. Und wenn jemand scheitert, dann helfen wir ihm wieder auf die Beine oder zumindest das Beste aus dem Leben zu machen. Wir wollen niemanden mehr verurteilen, wir wollen uns kein Urteil bilden. Natürlich machen wir das trotzdem, aber bei weitem nicht mehr so häufig wie damals.

Freitag

Wir leben hier übrigens nicht in Utopia. Verstehen Sie mich bitte auch hier nicht falsch: Diese Welt, diese Gesellschaft, diese Form des Zusammenlebens, sie ist nicht perfekt. Wir haben immer noch Kriminalität, wir haben immer noch Mord. Kann man das denn überhaupt jemals wegbekommen? Aber die Zahlen haben sich natürlich verringert. Weil man auch aufgehört hat, Menschen durch bittere Armut in die Kriminalität zu drängen. Es ist ein so einfacher Weg und wir sind immer wieder überrascht, wie unfähig ihr damals wart. Gab es bei euch einen Anstieg der Kriminalitätsrate, dann habt ihr augenblicklich den gesamten Polizeiapparat verstärkt, anstatt nach den Ursachen zu forschen.

Weil die Medien wieder zurück zu alter Größe gefunden haben, leben die Menschen nun auch nicht in ständiger Angst vor Kriminellen. Oder vor Ausländern. Man hat einem Miteinander eine Chance gegeben und ist glücklich damit geworden. Und dass es nicht immer leicht ist, versteht sich doch von selbst, oder? Die Sache ist einfach die: Egal woher ein Mensch auch kommen mag, aus der direkten Nachbarschaft, der anderen Hälfte des Ehebettes oder einem fernen Land – es kann immer einmal nicht leicht sein. Die Herkunft ist da herzlich egal.

Eine offene Gesellschaft ist vermutlich das Wichtigste, wofür wir gekämpft haben. Dieser unsägliche Hass, die Angst vor der Veränderung, vor dem Anderssein, diese unerträgliche Ahnungslosigkeit, all das ist verschwunden (oder zumindest viel geringer geworden). Die Menschen versuchen sich seit Neuestem zu verstehen. Nehmen sich Zeit, finden Wege um sich auszutauschen, tasten sich voran. Es brauchte nicht viel und all die Vorurteile, all die scheinbar eingepflanzten Idiotien, sie lösten sich in Luft auf.  Man könnte fast das Gefühl bekommen, als wäre Fremdenfeindlichkeit nie so groß gewesen, wie bei Ihnen damals, nicht wahr? Als hätte es all die Aufmärsche und den politischen Mist nicht gegeben, obwohl er in Wahrheit immer stärker wurde, nicht wahr?

Wenn man länger darüber nachdenkt, muss man eigentlich überrascht sein, wie Sie und Ihre Gesellschaft in dieser ständigen Angst leben konnten. Überall schien die Gefahr auf sie zu lauern, überall das ultimative Böse zu erscheinen. Wäre dem wirklich so, hätten wohl auch nicht viele von Ihresgleichen überlebt, oder? Aber, das wissen Sie wahrscheinlich, es lässt sich vorzüglich Geld machen im Geschäft mit der Angst. Das wurde damals schamlos ausgenutzt und ist jetzt nur mehr eine ganz kleine Nische, für all jene, die mal etwas Abwechslung brauchen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Angst ist gesund. Das Empfinden von Angst leitet oftmals die richtigen Informationen ans Gehirn weiter und ohne sie wäre man oftmals aufgebracht. Aber es hätte nie so weit kommen dürfen, dass eine Angst oder vielleicht auch nur die Inszenierung einer solchen, derart viel Platz in den Köpfen der Menschen bekommen hat.

Donnerstag

Wahrscheinlich sind die Ausgaben für unseren Sozialstaat ungefähr auf dem Niveau von vor einhundert Jahren: Damals, als Politiker begannen, Schutz für die Menschen zu etablieren, damit ein kleines Stolpern auf dem Weg nicht den Sturz in einen Abgrund nach ziehen muss. Damit mehr und mehr Menschen Chancen bekommen. Nach diesen Höhepunkten begann dann der schleichende Abbau, ganz langsam, teilweise fast unmerklich, bis man schließlich vor vollendeten Tatsachen stand. Das hat sich verändert. In unserer heutigen Gesellschaft bieten wir wieder diesen Schutz, die Menschen trauen sich auch wieder, sie wagen. Scheitern auch, aber kommen auch wieder auf die Beine.

Manchmal höre ich die Geschichten von damals und kann es gar nicht glauben. Wie lange man sich eigentlich damit begnügt hat, mit dem stetigen, langsamen Abbau von all dem, das das Leben so viel besser gemacht hat.

Ach ja, ich kann Ihnen nicht genug danken, dass sie damals das Internet zu dem gemacht haben, was es heute ist. Sie haben es mit Wissen angefüllt, haben die Technik so weiterentwickelt, dass es jetzt selbstständig die Informationen sammelt und für uns Menschen aufbereitet. Nein, nein, keine Sorge. Sie müssen sich nicht vor künstlichen Intelligenz fürchten, das verspreche ich Ihnen. Die Technik kann heutzutage bereits vieles, aber sie hat nie ihren Auftrag aus den Augen verloren: Den Menschen zu dienen, um das Leben eines jeden Einzelnen zu erleichtern. Der Angriff der Superroboter, wovor Sie sich ja, glaubt man den Filmsammlungen, mehrfach gefürchtet haben, wird nicht stattfinden.

Wir haben zwar das Internet und all seine Entwicklungen voll und ganz in unsere Leben einfließen lassen, aber wie Sie vielleicht hier sehen – es bleibt alles recht dezent. Die Informationsquelle ist allgegenwärtig, aber wir sind nicht verdummt, wie sie vielleicht damals vermuteten. Von wegen digitaler Demenz und Verrohung durch Anonymität. Jeder Mensch hat eine digitale Identität, die er nützt. Der anfängliche Hass, wie man ihn zu Ihrer Zeit oftmals erlebte, er ist verebbt. Man kann auch online so sein, wie man es offline stets sein sollte. Und was bei Ihnen noch etwas Zukunftsmusik war, ist bei uns bereits Realität: Das Internet reguliert sich mit all den Nutzern stets von selbst.

Mittwoch

Den größten Unterschied macht aber die Einführung eines Grundbetrages aus, das ein jeder monatlich überwiesen bekommt. Seit wir das hier bei uns gestartet haben, haben viele Menschen von einer viel größeren Freiheit, von bisher unbekannten Möglichkeiten gesprochen. Und die Wahrheit ist: Wenn du vorhast, kreativ zu sein, einer Idee nachzugehen, zu träumen oder dir etwas zu gönnen, dann ist all das damit möglich. Die Welt wird mutiger, spontaner, überraschender und vor allem interessanter dadurch. Die letzten Wirtschaftsmenschen der alten Schule jammern immer noch und zeichnen ein Horrorszenario. Doch jene der neuen Schule haben es schon erkannt: Seit jeder Mensch einen gewissen Betrag pro Monat „frei“ hat, steigt auch die Kaufkraft. Und jeder Psychologie wird Ihnen bestätigen, dass es den Menschen dadurch besser geht.

Für die Menschen bedeutet das einen Polster, einen Schutz, die Möglichkeit, auch mal auszusetzen. Zu pausieren und zu sondieren. Und für die Unternehmen wird es dadurch wieder wichtiger, zu zeigen, wie viel die Arbeit, die ihre Arbeitnehmer verrichten, ihnen wert ist. Das kann natürlich dazu führen, dass der Unternehmensgewinn dadurch etwas sinkt, aber dafür steigt die Zufriedenheit der ganzen Belegschaft.

Es gibt sie übrigens auch heute noch: Jene, die von einer Welt ohne Geld, Politik oder Wachstum träumen. Die uns erklären wollen, dass die Welt nur so zu ihrer großen Vollendungen kommen könne. Sie haben ein paar Anhänger, das schon, aber im Großen und Ganzen fehlt das Gesamtkonzept. Und für ein Umbruch unseres Systems, für ein komplettes Formatieren des Gekannten und dem Austesten einer Idee ist all das, was wir jetzt erschaffen haben, viel zu kostbar.

Aber sie sollen weiterdenken. Sollen philosophieren und publizieren. Vielleicht schaffen sie es, vielleicht finden sie den richtigen Weg – eine Sache, an der schon so viele andere über Jahrhunderte hinweg gescheitert sind.

Überhaupt ist es uns gelungen, wieder unterschiedliche Denkschulen anzusiedeln. Wir erlegen keine Gedankensperren auf, verstehen Sie? Die Menschen reden, sie denken, sie überlegen, sie streiten und sie erkennen. Immer wieder liest man von ihnen oder sieht sie in einem audiovisuellen Medium. Menschen, die sich Gedanken gemacht und Konzepte entwickelt haben. So viele Menschen, die all die Jahre zuvor schweigen mussten, weil sie nicht überlegen durften. Weil sie keinen Platz hatten, in einer Gesellschaft, von der sie sich in gewisser Form entfremdet haben. Doch in der heutigen Gesellschaft bieten wir auch ihnen einen Platz, damit auch sie die Möglichkeit haben, ihren Teil zur Erneuerung beizutragen, verstehen Sie? Wir lassen sie nicht entgleiten, sondern holen sie mitunter wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, hören ihnen zu und zeigen ihnen Fehler in ihren Denkmustern. All das gehört dazu und macht auch uns ein jedes Mal etwas klüger.

Dienstag

Wir stehen übrigens immer noch zur Religionsfreiheit. Warum sollten wir aufgeben, was zu den Grundrechten der Menschen in der entwickelten Welt zählt? Jeder soll seine Religion ausüben können. Aber im Gegensatz zu ihrer Generation, da stimmen Sie mir wohl zu, haben wir den verschiedenen Glaubensrichtungen die Macht etwas genommen. Das war natürlich auch keine einfache Arbeit. Die katholische Kirche oder auch der Vertreter des Islams waren da oft vehementer als es die Wirtschaftsbosse und Politiker waren. Durch ihre Vertretung und ihre Geldgeber im Vatikan und der arabischen Welt hätte wohl Druck entstehen sollen. Aber wir waren es satt, unter Druck zusammenzubrechen. Wir sind drangeblieben und haben schließlich das geschafft, was uns wohl schon seit Jahrzehnten schmackhaft gemacht wurde.

Wir lassen uns in gesellschaftspolitischen Fragen nicht von der Kirche leiten, verstehen Sie? Viele Entwicklungen wurden zu Ihrer Zeit gebremst, weil es nicht mit dem Wertekonstrukt der katholischen Kirche, die nunmal damals immer noch eine mächtige Stärke besaß, entsprach. Wir blieben zurück, weil einige wenige Vertreter dieser Kirche von Progressivität und Modernität nichts wissen wollten.

Wir wollen endlich die Veränderung, wir wollen endlich im 21. Jahrhundert ankommen; jetzt, wo wir schon fast sechs Jahrzehnte darin leben. Wir sollten uns in Wahrheit schon auf das 22. Jahrhundert vorbereiten und zu den ersten gehören, die neue Wege gehen. Nur wir sind in der Lage und haben die Macht, genau das umzusetzen.

Und mit den Religionen war es so wie mit den Parteien, die wir ersetzt haben: Es war keine Veränderung mehr möglich, der Stillstand vorprogrammiert, der Trott einstudiert. Sie haben sich wahrscheinlich schon daran gewöhnt, nicht wahr? In Wahrheit verlieren sie aber dadurch so unendlich viele Möglichkeiten, neue Formen des Zusammenlebens. Etwas, worüber ich froh bin, dass meine Kinder und Kindeskinder genau das erleben können und wir, unsere Generation, verantwortlich sind, dass diese Gesellschaft diesen Weg eingeschlagen hat.

Ob ich persönlich gläubig bin? Ja, das bin ich. Es überrascht Sie, oder? Wie ein gläubiger Mensch wie ich derart progressiv über die „neue“ Welt sprechen kann? Das ist recht einfach erklärt: Der Glaube jedes Einzelnen ist etwas höchst Privates. Und genauso wenig wie ich es möchte, dass sich die Politik in meiner Form des Glaubens einmischt, genauso wenig verstehe ich, warum Vertreter meines Glaubens sich in die Politik, in die Gesellschaftspolitik einmischen sollen dürfen.

Montag

Sie glauben mir nicht, nicht wahr? Ich sehe es Ihnen ja an. Ihre Gesichtszüge, wenn Sie meinen Worten lauschen. Sie wollen mir nicht glauben und wer kann es Ihnen auch schon verübeln. Für Sie bin ich wahrscheinlich nur ein Verrückter, der glaubt, die Weisheit der Zukunft in Erfahrung gebracht zu haben, und in Wahrheit ist er einfach nur verrückt. Sie müssen mir nicht glauben. Sie können, ja, Sie werden natürlich so weiterleben, wie Sie es immer getan haben. Ich wollte Ihnen einfach nur eine Möglichkeit geben, einen Hinweis, einen Tipp.

Aber die Veränderung wird kommen. Vielleicht werden Sie dann bereits furchtbar alt sein, oder gar schon gestorben, ich weiß es nicht. Der Wandel wird kommen und alles herumwirbeln. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben und die Welt, oder zumindest die unsere, sie wird lebenswerter und menschlicher, sie wird wunderschöner und gemeinsamer, als sie jemals war. Ich wünsche es Ihnen, dass Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht tot sind. Denn auch Sie sollten es sehen, Sie sollten es spüren, diesen Wind der Veränderung, diesen Neubeginn, dieser frische Versuch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Wahrscheinlich sind sie aber auch einfach nur enttäuscht, dass ich Ihnen nicht von fliegenden Autos, Bewohnern auf entfernten Planeten und einer Außerkraftsetzung des Todes berichte. Aber seien wir mal ehrlich: Ich bin ja auch nur ein Mensch. Nicht alles, was Sie sich erträumen, wird eintreten, aber vieles, mit welchem Sie nie gerechnet haben, wird Ihr Leben außerordentlich bereichern. Sie müssen mir jetzt nicht auf der Stelle ihren Glauben schenken, das verstehe ich natürlich. Aber irgendwann werden sie auf den heutigen Tag zurückblicken, werden an mich denken und werden es verstehen.

Vielleicht noch nicht morgen, aber zumindest irgendwann.


Diese Geschichte entstand für die Ausschreibung „Schöne neue Welt – ganz ohne Science-Fiction“ des Verlages „Stimme fürs Leben“. Und sie hätte sogar einen Platz in der Anthologie bekommen. Ich war mächtig stolz, hab aber dank Trennung, Studium, Aus-, Um- und Einzug nicht rechtzeitig zurückgeschrieben. Deshalb erscheint das Buch nun ohne mich. Das ist so ein Moment, wo ich mir selbst ganz fest in den Hintern beißen möchte. Vor allem ja, weil es die erste Kurzgeschichte von mir in einem Buch wäre. Aber es kommen ja neue Ausschreibungen.

2 Kommentare

  1. Lieber Dominik,
    ich finde es wirklich sehr schade, dass es deine Geschichte dann doch nicht in die Anthologie geschafft hat. Denn sie ist wirklich sehr besonders und hinterlässt ein wohliges Gefühl. Es ist schön, mal einen Kontrast zu derzeitigen Zukunftsprognosen gezeichnet zu bekommen! Beim nächsten Mal klappt’s bestimmt 🙂

    1. Vielen lieben Dank für die netten, anerkennenden Worte. Mich ärgerts ja vor allem, weil eine Publikation einer Kurzgeschichte in einer Anthologie sozusagen ein Must-Have für viele Wettbewerbe ist. 🙁 Aber, heute ist nicht alle Tage, ich schreib wieder, keine Frage!

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